Summary / Zusammenfassung
english/deutsch
Die Tötung des eigenen Kindes als erweiterter Suizid
Die Tötung des eigenen Kindes steht mit dem suizidalen Erleben der Mutter in engem Zusammenhang. Das gilt nicht nur für den sogenannten "erweiterten Selbstmord", bei dem die Mutter mit der Tötung des Kindes zugleich einen Suizid oder Suizidversuch unternimmt.
Es sind unter Berücksichtigung des Verlaufs einer normalen Mutter-Kind-Beziehung die spezifischen Störungseinflüsse zu untersuchen. Der tötenden Mutter ist es nicht gelungen, sich selbst als dauerhaft getrennt von ihrer eigenen Mutter zu erleben. Das Kind wird von ihr nicht als unabhängige Person wahrgenommen, sondern als erweitertes Selbst oder sogar als ein mit ihr nach wie vor in Symbiose vereintes Wesen.
Aggressionen durften in der frühen Kindheit nicht erlebt werden, da sie zu bedrohlich erschienen. Sie wurden abgespalten und sind damit nicht in die Gefühlswelt integriert. Da sie aber dennoch existent sind, können sie plötzlich impulshaft durchbrechen.
Mit der Tötung wird einerseits der Versuch unternommen, alles Trennende zwischen sich und dem Kind zu beseitigen. Es besteht so die Chance, daß Idealwelt konserviert und das Gute in eine andere Welt gerettet wird. Wird andererseits jedoch die Fusion als bedrohlich angesehen, so kann die rettende Trennung gerade durch die Zerstörung des Objekts hergestellt werden. Eine andere Möglichkeit der Trennung als über die Destruktion ist nicht vorstellbar. Hierin kann sich auch die Hoffnung einer Befreiung von der bösen Mutter-Imago verbergen.
The killing of one`s own child is closely related to the suicidal experience of the mother. This is not only true for the so-called "extended suicide", where the mother commits or attempts suicide at the same time as killing the child.
Taking account of the course of a normal mother-child relationship, the specific disturbing influences are to be examined. The killing mother has not succeeded in experiencing herself as permanently separated from her own mother. She is not aware of the child as an independent person, but as an extension of her self, or even as a being which is still united with her in symbiosis.
Aggressions were not allowed to be fully experienced during childhood, as they seemed to be too dangerous. They were split off, and therefore they are not integrated into the emotional world. As they do exist, nevertheless, they may break through abruptly like an impulse.
With the killing, the mother on the one hand makes an attempt to eliminate everything separating betweeen herself and the child. Thus, there is a chance to preserve the ideal world and save the good for another world. If on the other hand the fusion is considered dangerous, the safety of the separation can be obtained precisely by the destruction of the objekt. Any other possibility for separation different from destruction is not imaginable. In this may also be concealed the hope for a liberation from the evil mother-image.
© Therapie-Zentrum für Suizidgefährdete (TZS) Hamburg, Germany