Summary / Zusammenfassung
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Otto F. Kernberg
Suizidalität bei Borderline-Patienten. Diagnostik und psychotherapeutische Überlegungen
Dieser Artikel faßt die zu suizidalen und parasuizidalen Verhaltensweisen in einem noch laufenden Forschungsprojekt an Borderlinepatienten in der Westchester Division des New York Hospital Cornell Medical Center gewonnenen Erfahrungen zusammen. In der diagnostischen Beurteilung dieser Patienten ist es wichtig, zwischen akuter und chronischer Suizidalität und zwischen deren Vorliegen in Abhängigkeit oder unabhängig von Depression zu unterscheiden. Es erfolgt ein Überblick über die vorherrschenden psychodynamischen Eigenschaften von chronischer in der Persönlichkeitsstruktur verankerter Suizidalität mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Psychopathologie von selbstgerichtetem und projiziertem primitivem Haß und den von dem Patienten gegen die konstante bewußte Gegenwart dieses Hasses entwickelten Abwehrmechanismen. Eine generelle psychotherapeutische Strategie für den Umgang mit suizidalem und selbstschädigendem Verhalten wird vorgestellt, deren Schwerpunkt auf einer Umwandlung der Selbstschädigung in spezifische Übertragungskonstellationen liegt, die erkannt, gedeutet und schrittweise in der Übertragung im Rahmen des Therapieverlaufs durchgearbeitet werden müssen. Die Behandlung von chronischer in der Charakterstruktur verankterter Suizidalität ohne begleitende Depression bedarf eines spezifisch strukturierten therapeutischen Settings vom Beginn der Behandlung an, das seinen Ausdruck in der Erstellung eines Behandlungsvertrages findet, der einen wesentlichen Pfeiler für den therapeutischen Rahmen der gesamten Psychotherapie abgibt. Die Voraussetzungen für eine entsprechende Psychotherapie und deren Erfolgsaussichten limitierende Faktoren werden ebenfalls dargelegt.
Übersetzung: Dr.phil. Dr.med. Hans-Otto Thomashoff, Wien
© Therapie-Zentrum für Suizidgefährdete (TZS) Hamburg, Germany