Summary / Zusammenfassung
english/deutsch
"There Saul Took a Sword and Fell on it" /
"Da nahm Saul das Schwert und stürzte sich hinein"
A Psychoanalytical Study on Biblical Suicides./
Suizide in der Bibel aus aktueller psychodynamischer Sicht
Linder, R.
Fortschritte der Neurologie - Psychiatrie
Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York
email: lindner@uke.uni-hamburg.de
Romanisches Mosaik aus der Kirche St.Gereon, Köln: Simson ergreift die beiden tragenden Pfeiler des Tempels der Philister "und sprach: "Ich will sterben mit den Philistern! Da fiel das Haus auf die Fürsten und auf alles Volk, das darin war, sodaß es mehr Tote waren, die er durch seinen Tod tötete, als er zu seinen Lebzeiten getötet hatte" (Ri 16, 28 - 30).
Suizide in der Bibel aus aktueller psychodynamischer Sicht.
„Da nahm Saul das Schwert und stürzte sich hinein".
R. Lindner
Therapiezentrum für Suizidgefährdete (Leitung: Prof. Dr. P. Götze)
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitäts-Krankenhauses Eppendorf (Ärztl. Direktor: Prof. Dr. D. Naber)
Nach einer kurzen Einführung in die psychoanalytische Literatur- und Bibelinterpretation werden auf der Grundlage neuerer psychoanalytischer Konzepte der Suizidologie (Narzißmustheorie, Objektbeziehungstheorie und Selbstpsychologie) die biblischen Erzählungen des Richters Simson und des israelitischen Königs Saul untersucht.
Simsons Jugend ist markiert durch Aspekte einer narzißtischen Entwicklung: Unsichere Eltern finden in Größenphantasien zueinander, die auf das Kind projziert werden. Heftige Affekte, intensive Nähe-Distanz-Konflikte und massive Kränkungen mit reaktiver rasender Wut kennzeichnen Simsons Beziehungen. Im Suizid verschmilzt er mit dem primären Objekt, zerstört es aber zugleich mit sich selbst. Menschen mit einer narzißtischen Problematik, gerade wenn sie in Verbindung mit der zerstörerischen Potenz narzißtischer Wut auftritt, sind als besonders suizidgefährdet einzuschätzen.
Sauls Entwicklung weist auf die suizidale Problematik bei depressiven Störungen hin. Im Kampf mit einem hochambivalenten Objekt, welches als lebenserhaltend für die Integrität des Selbst erlebt wird, wird Saul zunächst erhöht, narzißtisch aufgebläht, dann verfolgt und zuletzt verlassen. Dem Verlust des omnipotent erlebten Selbstobjektes wird im Suizid eine fatale Integrationsleistung entgegengestellt.
A Psychoanalytical Study on Biblical Suicides.
„There Saul Took a Sword and Fell on it"
R. Lindner
Center for Therapy and Studies of Suizidal behavior (Director: Prof. Dr. P. Götze),
Department for Psychiatry and Psychotherapy - University Hospital Eppendorf (Director: Prof. Dr. D. Naber)
After a short introduction to psychoanalytical interpretation of literature in general and in the Bible, the stories of Samon and Kind Saul are examined on the basis of modern psychoanalytical aspects of suicidology (narcissistic theory, object relation theory, self psychology).
Samson's beginning is hallmarked by uncertainty of his parents, their megalomanic fantasies which are projected on the child. His relationships are characterized by violet emotions, intensive conflicts on intimacy and distance and also raging anger at insults and privation. In his suicide he fuses himself with the hihgly ambivalent primary object and destroys it at the same time he destroys himself. People with narcissistic personality are considered to be extremely suicidal especially in combination with the destructive potency of narcissistic anger.
Saul's development refers to the suicidal problems in depressive disorders. In the fight with a highly ambivalent object, which seems to be life-saving to him, the first is enthroned and gains narcissistic value, then he ist pursued and at last deserted. In his suicide a fatal achievement of integration is set against this loss of an omnipotent self-object.
© Therapie-Zentrum für Suizidgefährdete (TZS) Hamburg, Germany