Psychotherapie und Suizidalität - Vortragsreihe 1998
Zusammenfassung
In meinem Beitrag wird es v.a. um das Schicksal destruktiver Strebungen gehen. Ausgangs-punkt ist eine Theorie der psychischen Repräsentation von Erfahrungen, wie sie aus der psy-choanalytischen Objektbeziehungstheorie gewonnen werden kann. Destruktive Handlungen können vermieden werden, solange Destruktivität psychisch repräsentiert bleibt, d.h. wenn aggressive Wünsche etc. mit Phantasien ausgestattet werden können, wenn sie mit anderen Vorstellungen vernetzt werden; sie können dann intrapsychisch bearbeitet werden.
Wut und Haß können die Grenzen intrapsychischer Repräsentation und die Möglichkeiten in-trapsychischer Verarbeitung aber rasch aufsprengen. Die Folge ist die Belastung der Beziehun-gen: der Andere wird zum Container nicht verarbeiteter Destruktivität. In diesem Sinne kann der Suizid zu einem Appell werden, im Suizidversuch appelliert der Leidende an einen Container oder versucht, einen solchen Ort der Aufbewahrung und Verarbeitung überwältigender Erlebnisse überhaupt erst zu schaffen. Auch diese - versteckte - Hoffnung kann zurückgenommen und die Hoffnung auf einen Dialog aufgegeben werden, dann richtet sich die Destruktivität selbst gegen die Möglichkeit des Containings oder - wenn man so will - der mütterlichen Funktionen im Selbst und im Anderen.
Joachim Küchenhoff, Jg. 1953, Prof. Dr. med., Arzt für Psychiatrie, Arzt für Psychotherapeu-tische Medizin, Psychoanalytiker, Leitender Arzt für Psychotherapie und Psychohygiene an der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel und Professor für Psychiatrie an der Universität Basel. Schwerpunkte der wissenschaftlichen Interessen: Körperbezogene seelische Erkrankungen, psychosomatische Krankheitsbilder, Wechselwirkungen körperlicher und seelischer Faktoren im Verlauf chronischer Krankheiten, Psychotherapie in der Psychiatrie, Ökologie und Psychoanalyse.
Publikationen (u.a.):
© Therapie-Zentrum für Suizidgefährdete (TZS) Hamburg, Germany