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Psychotherapie und Suizidalität - Vortragsreihe 1997

Dr. A. Wiese
Die Tötung des eigenen Kindes als erweiterter Suizid, 17.4.1997


Zusammenfassung

Die Tötung des eigenen Kindes ist unter dem Aspekt der Selbsttötung zu erfassen. Das gilt nicht nur für den sogenannten "erweiterten Selbstmord", bei dem die Mutter mit der Tötung des Kindes zugleich einen Suizid oder Suizidversuch unternimmt. Bei der Tötung des eigenen Kindes entwickeln sich hetero- und autoaggressive Tendenzen. Das Kind wird nicht als eigenständige Person wahrgenommen, sondern als erweitertes Selbst der Mutter. Somit werden die Aggressionen nach außen, aber zugleich gegen sich selbst gerichtet.

Der Prozeß der Etablierung der Selbst- und Objektrepräsentanzen kann bei der Täterin so weit gestört verlaufen sein, daß sie sich vollkommen als Einheit mit dem eigenen Kind erlebt. Bei dieser "Fusion" kann die Zerstörung des eigenen Lebens sich auch durch das Vernichten des mit ihr als Einheit verbundenen Kindes vollziehen. Es besteht mit dieser Tötung die Chance, daß die Idealwelt konserviert und so das Gute in eine andere Welt gerettet wird. Das Kind wird vor der von der Mutter als feindselig erlebten Außenwelt bewahrt. Die Tötung wird oft in Akte mütterlicher Fürsorge eingebettet.


Zur Person

Annegret Wiese wurde 1955 in Celle geboren. Studium der Rechtswissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen. 1976 wechselte sie an die Ludwig-Maximilians-Universität München. Ab 1978 Studium der Psychologie mit dem Schwerpunkt Klinische Psychologie/Psychoanalyse. Erstes Juristisches Staatsexamen 1980. Während der Referendarzeit, die sie 1984 mit dem Zweiten Juristischen Staatsexamen abschloß, war sie u.a. bei einem Anwalt in Neu Delhi/Indien tätig. A. Wiese beschäftigte sich in ihrer Ausbildung eingehend mit dem Erscheinungsbild und der Genese von Delinquenz. 1987 legte sie das Diplom in Psychologie ab. 1992 promovierte sie bei Prof. Dr. Schüler-Springorum mit dem Thema "Mütter, die töten". A. Wiese ist in München als Rechtsanwältin in eigener Praxis mit dem Schwerpunkt Familien- und Scheidungsrecht tätig. Sie ist darüber hinaus beratend tätig in dem Bereich familiärer Gewalt.


Die Verweise auf andere Webseiten, Organisationen und Publikationen dienen der Förderung der Information und Diskussion über Konzepte auf dem Gebiet der Suizidologie, Psychoanalyse und Psychotherapie sowie des Verstehens und der Behandlung suizidalen Verhaltens. Sie repräsentieren auch kontroverse Positionen und sind nicht als Empfehlung zu verstehen.
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