Therapiezentrum für Suizidgefährdete (TZS)

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Übersicht - Suizide, Suizidversuche und Suizidalität in Deutschland

Hier finden Sie die aktualisierten Daten und Fakten zur Suiziden, Suizidversuchen und Suizidalität im PDF-Format (584 KB).
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Suizide

Im Jahr 2005 starben in Deutschland 10.260 Menschen durch Suizid (7.523 Männer und 2.737 Frauen). Die Suizidrate (d.h. der Anteil der Suizide auf 100.000 Einwohner) beträgt 12,4 (18,6 bei den Männern und 6,5 bei den Frauen; Quelle: Statistisches Bundesamt). Das Verhältnis der Suizidrate von Frauen zu Männern liegt bei 1:2,9.

Die Dimension wird durch einige Vergleichszahlen der letzten Jahre deutlich:

Verkehrsunfälle

5.361

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2005

HIV-Infektionen

720

Quelle: Robert Koch-Institut, 2005

Illegale Drogen

1.326

Quelle: Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung, 2005

Mord und Totschlag

869

Quelle: Bundeskriminalamt - Polizeiliche Kriminalstatistik, 2005



Die offiziellen Angaben über Suizide unterschätzen die tatsächliche Zahl. Es kann von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. Unter den Todesarten Verkehrsunfälle, Drogen und den unklaren Todesursachen dürfte sich noch ein erheblicher Anteil nicht erkannter Suizide verbergen.

Die statistischen Angaben über Suizide unterliegen noch weiteren Fehlerquellen wie Fehler bei der Datenübermittlung und unterschiedliche Dokumentationsmethoden. Die Daten des Statistischen Bundesamtes können deshalb als eine sehr konservative Schätzung der tatsächlichen Anzahl der Suizide gewertet werden, die um mindestens 25% höher angenommen wird.

Schmidtke (1996) berechnete die Wahrscheinlichkeit eines Suizids über die gesamte mittlere Lebensspanne einer individuellen Person. Demnach stirbt in den alten Bundesländern jeder 71. Mann (bei einer mittleren Lebenserwartung von 72,9 Jahren) und jede 149. Frau (bei einer Lebenserwartung von 79,3 Jahren) durch Suizid. Im Gebiet der ehemaligen DDR sind es jeder 51. Mann und jede 117. Frau.

Die Anzahl der Suizide schwankt zwischen 18.825 (1981) und 11.065 (2000) im Jahr. Aussagekräftiger ist allerdings die Suizidrate. Sie ist seit ihrem Höhepunkt von 32,9 im Jahre 1982, und besonders deutlich ab Mitte der achtziger Jahre, am Sinken und hat sich in den letzten vier Jahren tendenziell stabilisiert. Diese Tendenz der sinkenden Suizidraten gab es sowohl in den neuen als auch in den alten Bundesländern. Eine eindeutige Ursache für diese Entwicklung kann nicht angegeben werden. Vermutlich kann sie auf mehrere Ursachen zurückgeführt werden:

  • Die demographische Entwicklung in Deutschland. Da die Anzahl der vollendeten Suizide im höheren Lebensalter ansteigt, hat die Veränderung der Altersstruktur der Gesellschaft Einfluss auf die Suizidrate. Einige Epidemiologen (Schmidtke 2000) halten wegen des steigenden Durchschnittsalters der Bevölkerung demnächst wieder einen Anstieg der Suizidrate für möglich.
  • Die Verbesserung und Fortschritte in der Notfall- und intensivmedizinischen Versorgung.
  • Die Verbesserung der Versorgungsleistungen im Gesundheitswesen für bestimmte Risikogruppen (z.B. Drogenabhängige).
  • Eine Verschiebung von Suiziden in der Erhebung zu anderen Todesursachen, besonders Drogen und den unklaren Todesursachen.

Die Suizidraten variieren sowohl zwischen den alten und neuen Bundesländern als auch zwischen allen Bundesländern erheblich.

Da eine getrennte Statistik für die alten und neuen Bundesländer nur von 1980 bis 1997 erhoben wurde, können Vergleiche nur für diesen Zeitraum vorgenommen werden.

Die Suizidrate ist in den neuen Bundesländern bedeutsam höher als in den alten Bundesländern. Es ist allerdings davon abzuraten, aus dieser Tatsache voreilige Schlüsse zu ziehen (z.B. der Unterschied ist ein Ausdruck der „Wende“, der Arbeitslosigkeit oder von Sinnkrisen). Zu berücksichtigen ist das Faktum, daß es auf dem Gebiet der ehemaligen DDR in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auch schon vor 1938 eine höhere Suizidrate gegeben hat. Das gleiche gilt auch für die Stadtstaaten Hamburg und Bremen in den alten Bundesländern. Das Verhältnis Frauen zu Männern lag 1997 bei 1:2,6 in den alten und bei 1:3 in den neuen Bundesländern. Die höchste Suizidrate in den alten Bundesländern hatte im Jahre 1999 Hamburg, die niedrigste das Saarland. In den neuen Bundesländern hatte Sachsen die höchste Suizidrate und Mecklenburg-Vorpommern die niedrigste.

Innerhalb der Bundesländer gibt es beträchtliche Unterschiede. So hat Nordrhein-Westfalen die niedrigste (9,4) und Sachsen die höchste Suizidrate (16,2). Bei den Männern liegt die höchste Suizidrate ebenfalls in Sachsen (24,2) und die niedrigste in Nordrhein-Westfalen (14,1). Mit 8,6 haben Sachsen und Hamburg die höchsten Suizidraten für Frauen und Mecklenburg-Vorpommern die niedrigste (3,8). Auch das Verhältnis der Suizidrate von Frauen zu der von Männern variiert erheblich. Die Suizidraten variieren nach Geschlecht und Alter.

Die Suizidrate steigt mit dem Lebensalter. Während die Suizidrate bei jungen Menschen vergleichsweise niedrig ist, steigt sie besonders bei Männern ab dem 60. Lebensjahr erheblich an. Durch die relativ geringe Suizidrate bei jungen Frauen gewinnt die Anzahl der Suizide älterer Frauen an Gewicht: jede zweite Frau, die einen Suizid begeht, ist älter als 60 Jahre (1.409 von 2.737 Frauen im Jahre 2005).

Dagegen ist der Suizid bei Menschen unter 40 Jahren nach den Unfällen die zweithäufigste Todesursache. Jeder vierte Tod eines Menschen unter 30 Jahren ist ein Suizid. Bei den Suizidmethoden überwiegt sowohl bei Männern als auch bei Frauen das Erhängen (ca. jeder zweite Suizid in 1999, 4.480 Männer und 1.187 Frauen). An zweiter Stelle stehen Vergiftungen und an dritter Stelle Feuerwaffen bei den Männern und „Sturz aus der Höhe“ bei Frauen. Das Risiko eines Suizids ist bei Menschen mit einer psychischen Erkrankung generell erhöht. Als Gruppen mit im Vergleich zur Gesamtbevölkerung erhöhtem Suizidrisiko gelten besonders Depressive, Alkoholiker, Medikamenten- und Drogenabhängige und Alte und Vereinsamte. Suizidalität hat ein hohes Mortalitätsrisiko: Nachuntersuchungen ergaben, daß ungefähr jeder 5. bis 10. Mensch, der einen Suizidversuch unternommen hat, später durch Suizid stirbt.


Suizidversuche

Im Gegensatz zu Suiziden werden Suizidversuche aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht mehr erfaßt. Angaben über die Häufigkeit sind daher Schätzungen aus wissenschaftlichen Studien. Im Vergleich zu den Suiziden gibt es erhebliche Unterschiede:

  1. Suizidversuche werden häufiger von Frauen als von Männern durchgeführt. Die Schätzungen betragen für 1996: 122/100.000 für Männer und 147/100.000 für Frauen (Schmidtke 1998). Anders gesagt bedeutet dies, daß auf jeden Suizid eines Mannes 5,5 Suizidversuche entfallen und auf jeden Suizid einer Frau 18 Suizidversuche. Für 1996 würde dies ca. 48.600 Suizidversuche von Männern, ca. 61.600 Suizidversuche von Frauen oder 110.200 Suizidversuche insgesamt bedeuten. Vermutlich liegt die tatsächliche Zahl deutlich höher.
  2. Suizidversuche werden häufiger von jungen als von alten Menschen unternommen.
  3. Bei den Methoden des Suizidversuchs standen 1996 bei Männern und Frauen an erster Stelle Vergiftungen, gefolgt von Schnittverletzungen, Sturz und Erhängen (Schmidtke 1998).

Die Anzahl schwerer (Mehrfach-) Verletzungen nach einem Suizidversuch, die eine aufwendige chirurgische, intensivmedizinische, neurologische u.ä. Behandlung mit anschliessender beruflicher Rehabilitation oder Frühberentung zur Folge haben können, wurde auf 11.000 im Jahr geschätzt (Schweiberer, Ruchhotz, Pajonk 1995). Bislang wurde nach unserer Kenntnis die Häufigkeit von Suizidalität in Form von suizidalen Gedanken und Erlebensweisen, die sich noch nicht in einem Suizidversuch ausgedrückt haben, nicht untersucht.


Literatur

Schmidtke, A., Weinacker, B., Fricke, S. (1996): Epidemiologie von Suizid und Suizidversuch. Nervenheilkunde 15, 496-506.

Schmidtke, A., Weinacker, B., Fricke, S. (1998): Epidemiologie von Suiziden und Suizidversuchen in Deutschland. Suizidprophylaxe, Sonderheft, 37-49

Schmidtke, A, Weinacker, B., Löhr, C. (2000): Epidemiologie der Suizidalität im 20. Jahrhundert. In: Wolfersdorf, M., Franke, C.: Suizidforschung und Prävention am Ende des 20. Jahrhunderts. Roderer, Regensburg.

Schweiberer, L., Ruchholtz, S., Pajonk, F.-G. (1995): Therapieverzicht bei schwerstverletzten suizidalen Patienten, in: Lagenbecks Arch Chir Suppl II (Kongreßbericht 1995), 408-412


Weiterführende Literatur

Eine Einführung:

Thomas Bronisch (1995): Der Suizid. Ursachen, Warnsignale, Prävention. München: Beck


Quelle des Textes:

http://www.suicidology.de/online-text/daten.pdf


Anschrift des Verfassers

Georg Fiedler, Dipl.-Psych.
Therapie-Zentrum für Suizidgefährdete
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistrasse 52
20246 Hamburg
email: tzs@uke.uni-hamburg.de


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