| |
Trotz moderner bildgebender Verfahren
kommt der Liquoranalytik in der Diagnostik einer Subarachnoidalblutung
zumindest eine ergänzende
Bedeutung zu. Dies betrifft insbesondere kleinere oder ältere Blutungen,
die im CT nicht erkannt werden (ca. 10-20% der Fälle), ferner
ggf. auch eine Altersabschätzung,
wenn mehrere Blutungsereignisse vermutet werden bzw. eine Nachblutung
erkannt werden soll, darüber hinaus das Erreichen einer möglichst
hohen Ausschlusswahrscheinlichkeit bei nicht erklärbaren Kopfschmerzsyndromen.
Die diagnostische Beurteilung muss dabei einerseits die Möglichkeit
einer artifiziell blutigen Punktion mit entsprechender Verfälschung
der Befunde sowie andererseits die starke Stadienabhängigkeit
der
zu erwartenden Liquorveränderungen ins Kalkül ziehen.
|
|
| |
|
< 12 h
|
12 h – 3 d |
>3d |
Reizpleoztose
|
+++ |
++ |
+ |
| Erythrozyten |
+++ |
++ |
+ |
Oxy – Hb
|
+
|
+++ |
+ |
Erythrophagen
|
+ |
++ |
|
Bilirubin
|
(+) |
++ |
+++ |
| Siderophagen |
|
+ |
++ |
| Ferritin |
+ |
++ |
+++ |
| Hämatoidinkr. |
|
(+) |
++ |
Tabelle 20: Zeitlicher Verlauf verschiedener Liquorbefunde nach SAB
Für den Fall, dass der Punkteur eine traumatische Punktion annehmen
muß bzw. eine ungleichmäßige blutige Tingierung des Liquors
beobachtet, sollten 5-10ml in 3 Röhrchen zur getrennten Zell- und
Erythrozytenzählung abgenommen werden (sog. 3-Gläser-Probe),
sowie zeitgleich auch 5 ml Serum und EDTA-Blut. Umgekehrt kann bei typischer
Kopfschmerzanamnese oder gar Blutnachweis im CT ein gleichmäßig
blutiger Liquor bereits ausreichen, um in der Notfallsituation die Diagnose
SAB ausreichend zu belegen und z.B. von einer Meningitis abzugrenzen; die
Xanthochromie ist jedoch ein unsicheres Kriterium und insbesondere bei
Vorliegen einer deutlichen Schrankenstörung nicht verwertbar. In allen
Zweifelsfällen ist somit weitere Diagnostik erforderlich (Differenzielle
Zell- und Erythrozytenzählung im Vergleich zum peripheren Blut, Zytologie
ggf. im Vergleich zum Differentialblutbild, Ferritin).
Die Sensitivität insbesondere der zytologischen Befunde und deren
Unterscheidbarkeit von einer artifiziellen Blutkontamination ist entscheidend
stadienabhängig.
Die initiale, überwiegend granulozytäre Reizpleozytose ist nur
durch Vergleich mit dem Blutbild sicher von einer lediglich passiven Verschleppung
von Leukozyten zu unterscheiden. Die Erythrophagozytose beginnt mit ortsständigen
Monozyten bzw. Makrophagen nach ca. 3-4 h und erreicht nach Einwanderung
weiterer Zellen nach 12-24 h ihren Höhepunkt, vereinzelt bei „Phagozytosehemmung“ auch
deutlich später. Dies ist zu berücksichtigen, wenn in Ausnahmefällen
die Diagnose einer frischen, CT-negativen SAB vom Nachweis dieser Erythrophago-zytose
entscheidend abhängt, was jedoch durch die insgesamt sensitivere Ferritinbestimmung
wieder relativiert wird, die allerdings in den ersten 3 Tagen in Einzelfällen
ebenfalls noch diagnostisch falsch-negativ sein kann.
Mit Abbau des Hämoglobins
wird überschüssiges Eisen in seine Speicherformen Ferritin und
Hämosiderin überführt, was spätestens nach 3-4 Tagen
zu einem zweiten kräftigen Ferritinanstieg sowie dem Auftreten von
Siderophagen führt; Hämatoidinkristalle treten gehäuft nach
ca. 1 Woche auf. Zu diesem Zeitpunkt ist dann der Erythrozyten- und Granulozytenanteil
bereits stark abgefallen; Siderophagen und Ferritinanstieg können über
die Resorption der Blutung hinaus Wochen bis Monate persistieren. Insgesamt
erweist sich Ferritin als der sensitivste Blutungsmarker (ca. 98% bei 15
ng/ml; Spezifitätsniveau 95%) und ist damit vor allem auch für
die Ausschlussdiagnostik geeignet; die Zytologie erhöht die differential-diagnostische
Spezifität. (z.B. Abgrenzung von hämorrhagischen Entzündungen,
Tumorblutungen) und ermöglicht eine Altersabschätzung und ggf.
das Erkennen einer Rezidivblutung. Charakteristische, wenn auch unspezifische
Begleitphänomene sind eine ausgeprägte Blut/Liquor-Schrankenstörung
und ein anaerober Glucosestoffwechsel.
|
 |
| |
Literatur:
Felgenhauer K, Beuche W: Labordiagnostik neurologischer Erkrankungen. Thieme
Verlag Stuttgart 1999
Kluge H, Wieczorek V, Linke E, Zimmermann K, Witte O: Atlas der praktischen
Liquorzytologie. Thieme Verlag Stuttgart 2005
Wick M., Wick Marianne, Pfister H.W.: Ferritin and iron metabolism in cerebrospinal
Fluid (CSF) after subarachnoid hemorrhage (SAH), Clin.Chem.Lab.Med.1999;
37: Suppl.77
Zettl U, Lehmitz R, Mix E ( Hrsg.) : Klinische Liquordiagnostik, 2. Aufl.,
Walter de
Gruyter Verlag Berlin New York 2005
|
|