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Die Tuberkulose des zentralen Nervensystems
ist keine isolierte, eigenständige Infektionskrankheit, sondern
die spezifische Organmanifestation einer systemischen Erkrankung. Der
Infektionsweg ist praktisch immer hämatogen, von einem Streuherd
(Lunge, Intestinum) ausgehend. Zusätzlich zur Liquordiagnostik einer
Neurotuberkulose müssen deshalb immer die bekannten Untersuchungen
zum Nachweis bzw. Ausschluss einer systemischen Tuberkulose mit herangezogen
werden. Ergänzend sollten Untersuchungen zum Erfassen einer evtl.
zugrundeliegenden genetischen, infektiösen oder anderweitig erworbenen
Immunschwäche angestrebt werden.
Die spezifische Liquordiagnostik umfasst die üblichen Basisuntersuchungen
wie Gesamteiweiß, Zellzahl, Zelldifferenzierung, Glucose und Laktat.
Typische Befunde sind massiv erhöhtes Eiweiß, eine mäßige, überwiegend
lymphozytäre Zellzahlerhöhung mit lymphozytär oder gemischtzelligem
Zellbild, sowie eine erniedrigte Liquorglukose (Liquor/Blut < 0,5) bei
erhöhtem Liquorlaktat. Bei der Bewertung der Albumin- und Immunglobulin-Quotientendiagramme,
die parallel aus Liquor und Serum erstellt werden, gelten eine deutliche
Einschränkung des Liquorflusses (Schrankenfunktionsstörung) sowie
eine intrathekale IgA-Synthese (QIgA > QIgG) als charakteristisch. Auch
oligoklonale IgG-Banden können nachweisbar sein, besonders in fortgeschrittenen
Fällen. Die Bestimmung von Tuberkulose-Antigen, Tuberkuloseantikörpern
bzw. eines spezifischen Antikörperindex sind keine etablierten und
validierten Methoden und daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht angezeigt.
Die wichtigsten Liquoruntersuchungen gelten dem Erregernachweis. Sie sind
zwingend zum Nachweis einer Neuro-Tuberkulose erforderlich. Aus dem Sediment
von nicht weniger als 6 ml Liquor wird eine Spezialfärbung auf säurefeste
Stäbchen vorgenommen. Wegen der meist nur sehr geringen Erregerdichte
ist großer Wert auf eine ausreichend lange Mikroskopierzeit (mindestens
30 Minuten) zu legen. Zusätzlich wird die mikrobiologische TBC-Kultur
ebenfalls aus etwa 5 – 6 ml Liquor auf mindestens zwei festen und
einem flüssigen Nährmedium angesetzt und für wenigstens
acht, besser zwölf Wochen bebrütet. Ergänzend sollte der
Nachweis von mykobakterieller Nukleinsäure mit molekularbiologischen
Amplifikationstechniken (PCR) aus weiteren 5 ml Liquor herangezogen werden,
um die Nachweisempfindlichkeit zu erhöhen. Die Sensitivität der
verschiedenen Methoden ist leider gering: Im Falle der Mikroskopie nach
Ziehl-Neehlsen weniger als 10% und bei kultureller Erregeranzucht weniger
als 20%. Am sensitivsten ist die PCR mit maximal 50% Sensitivität
bei repetitiven Untersuchungen [Schmutzhardt 2000].
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Literatur:
N.N.: RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Ratgeber für Ärzte:
Tuberkulose
www.rki.de (Erscheinungsdatum 1. 3. 2002)
DIN 58943 Tuberkulosediagnostik; DIN 58969-12 Tuberkulose-PCR
E. Kniehl et al. Tuberkulöse Meningitis. In: MiQ 17 Qualitätsstandards
in der mikrobiologisch-infektiologischen Diagnostik: Infektionen des Zentralnervensystems
Urban und Fischer Verlag, München 2001
R. Küchler et al. Tuberkulose. In: MiQ 5 Qualitätsstandards in
der mikrobiologisch-infektiologischen Diagnostik
Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1998
G. E. Thwaites et al. Diagnosis of Adult Tuberculous Meningitis by Use of
Clinical and Laboratory Features
Lancet 360: 1287-1292 (2002)
G. E. Thwaites et al. Improving the Bacteriological Diagnosis of Tuberculous
Meningitis
J Clin Microbiol 42: 378-379 (2004)
Schmutzhardt E (2000) ZNS-Tuberkulose und ZNS-Kryptokokkose. In: Schmutzhardt
E (Hrsg.) Entzündliche Erkrankungen des Nervensystems. Georg Thieme Verlag,
Stuttgart New York, S 87-101
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