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Der systemische Lupus erythematodes (SLE)
erzeugt unter den Kollagenosen am häufigsten neuropsychiatrische
Manifestationen. Das periphere Nervensystem wird in 10-20% der Fälle
betroffen, wobei Neuropathien bei SLE überwiegend infolge einer
Kleingefäßvaskulitis entstehen. Krankheitsmanifestationen
im Zentralnervensystem (ZNS) sind bei 40-60% der SLE Patienten beschrieben
und hinsichtlich der Pathogenese nur unvollständig verstanden. Von
Bedeutung sind eine nicht inflammatorische Kleingefäßangiopathie,
eine thrombophile Diathese, selten eine zerebrale Angiitis sowie auch
das im Kontext mit SLE erhöhte Risiko für eine vorzeitige Arteriosklerose.
Während SLE-assozierte Serum-Autoantikörper, wie z.B. Antikörper
gegen Cardiolipin und das Lupus anticoagulans für die erhöhte
Thromboseneigung bzw. Antikörper gegen ribosomale P Proteine mit
dem Auftreten von Psychosen in Verbindung gebracht werden, gibt es für
eine pathophysiologische Bedeutung von Autoantikörpern mit Spezifität
für neuronale Strukturen bisher keinen Beweis. Differentialdiagnostisch
unbedingt zu berücksichtigen sind Infektionen des Nervensystem,
insbesondere bei Patienten, die über lange Zeiträume oder dauerhaft
mit Immunsuppressiva behandelt werden.
Diagnostisch wegweisend ist die bei SLE laborchemisch messbare allgemeine
Entzündungskonstellation mit deutlicher Erhöhung von BSG und
CRP in Verbindung mit Anämie, Leukopenie, Thrombopenie sowie erniedrigten
Werten für C3, C4 und CH50 als Korrelat des mit der Krankheitsaktivität
korrelierenden Komplementverbrauchs. Als sensitiver Laborparameter für
Kollagenosen sind serologische antinukleäre Antikörper (ANA)
nachweisbar. ANA haben in der Immunfluoreszenz bei SLE bevorzugt ein homogenes
Muster und ihre mittels ELISA detektierbare Feinspezifität ist bevorzugt
gegen doppelsträngige DNA (ds-DNA), Histone und Sm-Antigene, seltener
auch gegen andere nukleäre Antigene gerichtet (Wildemann 2006) gerichtet.
Bei Verdacht auf SLE-assoziierte Psychosen kann die serologische Bestimmung
von Antikörpern mit Spezifität für ribosomale P Proteine
sinnvoll sein. Diese Antikörper werden bei einigen Patienten mit Psychosen
gefunden und die Titer korrelieren mit der Krankheitsaktivität. Sie
sind aber für Lupus-Psychosen nicht spezifisch (Jennekens und Kater
2002). Thromboembolische Schlaganfallsyndrome korrelieren mit diversen
Phospholipidantikörpern (APL): Antikörper gegen Cardiolipin sowie
das gegen Phospholipid-Protein Komplexe gerichtete Lupus anticoagulans
kommen bei SLE in 20-55% der Fälle vor und gelten als Risikofaktor
für ischämische Schlaganfallsyndrome und venöse Thrombosen.
Eine Kausalität zwischen APL und zerebraler Ischämie bei SLE
ist jedoch nicht zweifelsfrei erwiesen (Jennekens und Kater 2002).
Der Stellenwert der Liquoranalytik für die Diagnosesicherung des Neuro-SLE
ist gering. Für die Diagnostik sind 5-10 ml Liquor und 5 ml einer
parallel entnommenen Serumprobe ausreichend. Die Routineparameter können
normal sein oder zeigen fakultativ eine leichte Pleozytose und eine Blut-Liquor-Schrankenstörung.
Eine intrathekale IgG-Synthese wurde in variabler Frequenz beschrieben
kommt in 17 bis 70% der Patienten mit diversen neuropsychiatrischen SLE-Manifestationen
vor, oligoklonale Banden lassen sich in 25 bis 82% der Fälle aufzeigen
(Wurster et al. 1996). In mehreren Studien wurden verschiedene Zytokine,
Chemokine und Komplementfaktoren sowie Antikörper gegen ribosomale
P Proteine im Liquor gemessen. Die diagnostische Relevanz dieser Parameter
für die Diagnosesicherung eines Neuro-SLE ist mit Zurückhaltung
zu werten, da in die Interpretation der Daten die Blut-Liquor-Schrankenfunktion
nicht mit einbezogen wurde (Jacobi und Wildemann, im Druck). Interessant
ist die Bobachtung, dass bei SLE Patienten mit neuopsychiatrischen Symptomen,
aber nicht bei neurologisch unauffälligen Patienten, im Liquor als
Korrelat neuronaler und astrozytärer Destruktion Neurofilamente und
GFAP (gliales fibrilläres Astrozytenprotein) in erhöhten Konzentrationen
nachweisbar sind (Trysberg et al. 2003). In Einzelfällen wurde bei
Neuro-SLE eine intrathekale ANA-Synthese beschrieben, größere
Untersuchungen hierzu stehen aus. Zur Differenzierung von Infektionen empfiehlt
sich die additive Bestimmung von Procalcitonin im Serum.
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Literatur:
Wildemann B (2006). Systemische Vaskulitiden und Kollagenosen, 160-164.
In: Wildemann B, Oschmann P, Reiber HO (Hrsg.) Neurologischer Labordiagnostik
- Referenzreihe Neurologie. Thieme Verlag Stuttgart 2006
Jennekens FGI and Kater L. The central nervous system in systemic lupus
erythematosus. Part 2. Pathogenetic mechanisms of clinical syndromes: a literature
investigation. Rheumatology 41: 619-630, 2006
Wurster U, Sailer M, Deicher H. Beteiligung des zentralen Nervensystems
beim Lupus erythematodes: Eine diagnostische Herausforderung. J Lab Med 20:
497-499, 1996
Jacobi C und Wildemann B. Labordiagnostik von Kollagenosen unter besonderer
Berücksichtigung neurologischer Manifestationen. J Lab Med (im Druck)
Reske D, Petereit HF, Heiss WD. Difficulties in the differentiation of
chronic inflammatory disease of the central nervous system- value of cerebrospinal
fluid analysis and immunological abnormalities in the diagnosis. Acta Neurol
Scand 2005;112:207-13.
Trysberg E, Nylen K, Rosengren LE, Tarkowski A. Neuronal and astrocytic
damage in systemic lupus erythematosus patients with central nervous system
involvement. Arthr Rheum 48: 2881-1887, 2003
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