Neurolues   



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Neurolues
 
 

Die Neurosyphilis ist keine isolierte Infektion des ZNS, sondern eine spezifische Organmanifestation einer systemischen Infektionskrankheit. Zur Ausschlussdiagnostik reichen daher negative Serumbefunde aus. Liquoruntersuchungen sind dagegen zum Nachweis der Neurolues unerlässlich. Sie müssen immer parallel im Zusammenhang mit den Ergebnissen der Serumuntersuchung bewertet werden. Zu diesem Zweck müssen Liquor und Serum zeitgleich entnommen werden.
Die serologische Diagnostik erfolgt nach dem Stufenschema Suchtest (TPHA, IgG-EIA), Bestätigungstest (FTA-Abs oder IgG-Immunoblot), Aktivitätsmarker (VDRL-Titer, FTA-Abs-IgM, IgM-EIA oder -Immunoblot). Die serologischen Untersuchungen können prinzipiell nicht unterscheiden zwischen der klassischen, sexuell übertragbaren Syphilis auf der einen Seite, und der endemischen Syphilis (Bejel), der Frambösie (Yaws) und der durch T. carateum verursachten Pinta auf der anderen Seite. Nur die sexuell übertragbare Syphilis ruft eine Neurolues hervor. Klinische, anamnestische und epidemiologische Informationen müssen zur Differenzialdiagnose herangezogen werden. Die Abgrenzung gegenüber kreuzreagierenden Borrelienantikörpern gelingt mit Hilfe spezifischer Immunoblots mit hoher Zuverlässigkeit, während der FTA-Abs störanfälliger ist.
Bei Verdacht auf eine ZNS-Manifestation einer Lues erfolgt die Einschätzung des Liquorflusses (Schrankenfunktion) wie üblich über den Albuminquotienten. Der Nachweis einer intrathekalen Treponemenantikörpersynthese wird v. a. durch die Bestimmung des intrathekal produzierten Treponema pallidum-Antikörper-Index ITpA geführt:

Treponemen-IgG : Gesamt-IgG (Liquor)
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Treponemen-IgG : Gesamt-IgG (Serum)

Methodisch kommen Titerbestimmungen im TPHA- und FTA-Abs-Test in Frage, exakter wird die Bestimmung im quantitativen IgG-EIA unter Bezug auf eine Standardkurve. Als Normalwert des ITpA gilt 1,0, mit einem Streubereich von 0,5 bis 2,0. Werte über 3,0 gelten als beweisend für eine intrathekale Antikörpersynthese gegen Treponemen. Wird der ITpA mit Hilfe von Titerstufen berechnet, gilt aufgrund der höheren Ungenauigkeit erst ein Wert größer als 4 als Nachweis einer Neurolues (www.dgn.org). In der isoelektrischen Fokussierung werden dann auch oligoklonale Banden im Liquor nachweisbar. Mit einem ausreichend sensitiven EIA-Test ist eine entsprechende Bestimmung des IgM-Quotienten möglich, der jedoch für die Diagnostik von untergeordneter Bedeutung ist. Selbst bei negativem oder grenzwertigem Antikörperindex kann jedoch die Diagnose einer wahrscheinlichen Neurolues klinisch gestellt werden, wenn typische neurologische oder psychiatrische Zeichen einer Tabes dorsalis oder einer progressiven Paralyse in Verbindung mit einer lymphozytären Pleozytose, einer gestörten Blut-Liquor-Schranke, eine intrathekale IgG-Synthese, der Nachweis von TPHA oder FTAabs im Serum und ein klinisches oder laborchemisches Ansprechen auf eine Penicillin-Therapie vorliegen (www.dgn.org). Dem Erregernachweis im Liquor mit Hilfe molekularbiologischer Nukleinsäure-Amplifikationsverfahren (PCR) kommt dagegen wegen seiner geringen Sensitivität nur eine untergeordnete Rolle zu (Hay, Moskophidis).

Der Nachweis einer intrathekalen Synthese von Treponemen-Antikörpern ist nicht gleichbedeutend mit dem Nachweis einer floriden Neurolues. Auch bei ausgeheilten bzw. ausreichend therapierten Residualzuständen bleibt eine intrathekale Antikörpersynthese oft über viele Jahre, nicht selten lebenslang erhalten. Zur Beurteilung einer Krankheitsaktivität und Therapiebedürftigkeit sind deshalb neben Serumbefunden (VDRL, IgM) auch nicht Erreger-spezifische Kriterien wie die Zellzahl und -differenzierung im Liquor sowie die Schrankenfunktion heranzuziehen. Nach erfolgreicher antibiotischer Therapie sind Zellzahl und Schrankenfunktionsstörung innerhalb von Wochen bis Monaten rückläufig, VDRL und Treponem-IgM innerhalb eines Jahres (Marra).


 
 
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Methode
Diagnose
sichernd

Diffdg. relevant
Therapie
entscheidend
Zellzahl
o   o
Zelldifferenzierung o    
Blut-Liquor-Schranke
• Gesamtprotein
• QAlbumin

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Humorale Immunreaktion
• Intrathekale IgG-Synthese
• Intrathekale IgM-Synthese
• Intrathekale IgA-Synthese
• Oligoklonale Banden

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Laktat
Glukose-Quotient
  o
o
 
ItpA o    
Im Serum:
• TPHA
• FTAabs
• VDRL
• Treponema pallidum IgG
• Treponema pallidum IgM

Im Liquor:
• VDRL
   


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Tabelle 16: Wertigkeit verschiedener Liquorparameter in der Diagnostik der Neurolues (o=obligat, i=informativ)

 
 
 
 
Literatur:

DGN: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. www.dgn.org

RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Ratgeber für Ärzte: Syphilis (Lues)
www.rki.de (Erscheinungsdatum 1. 10. 2004)

H.-J. Hagedorn: Syphilis. In: MiQ, Qualitätsstandards in der mikrobiologisch-infektiologischen Diagnostik Nr. 16; Urban und Fischer Verlag, München und Jena, 2001.

F. Müller und H. J. Hagedorn: Syphilis. In: L. Thomas (Hrsg.) Labor und Diagnose; Indikation und Bewertung von Laborbefunden für die medizinische Diagnostik, TH Books Verlagsgesellschaft Frankfurt am Main, 5. Auflage, S.1232-1241 (1998)

P. Oschmann et al.: Immunoblot as a Diagnostic Tool in Neurosyphilis
J Lab Med 21; 37-42 (1997)


 

Deutsche Gesellschaft für Liquordiagnostik und Klinische Neurochemie e.V.
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