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Bei klinischem Verdacht auf eine HIV-assoziierte
Neuromanifestation werden 5-10 ml Liquor und zeitgleich 5 ml Serum entnommen.
Der Beitrag der Liquoranalytik zur Diagnostik der primär HIV-assoziierten
Erkrankungen (Meningitis, Demenz, Myelopathie, Polyneuropathie, Myopathie)
ist gering und in erster Linie differentialdiagnostisch relevant. Eine
gering ausgeprägte lymphozytäre Pleozytose, vermehrt Plasmazellen
sowie eine quantitativ und qualitativ (OKB) messbare intrathekale IgG-Produktion
treten in der Frühphase der Infektion bei 40-80% asymptomatischer
HIV-infizierter Personen auf. In späteren Krankheitsstadien (manifeste
AIDS Erkrankung) ist die intrathekale zelluläre und humorale Immunreaktion
rückläufig. Sowohl bei neurologisch asymptomatischen Personen
als auch bei Patienten mit HIV-assoziierten Neuromanifestationen und,
tendenziell vermehrt in späten Krankheitsstadien, liegt häufig
auch eine autochthone Synthese HIV-spezifischer Antikörper vor.
Der HIV-AI ist bei manifester AIDS Erkrankung in > 80% der Fälle
positiv (Elovaara et al. 1988, Luer et al. 1988). In allen Krankheitsstadien
gelingt der Erregernachweis durch Detektion HIV-spezifischer Genomsequenzen
mittels PCR.
Einen deutlich höheren diagnostischen Stellenwert hat die Liquoranalytik
für die Diagnose und Differentialdiagnose opportunistischer Infektionen
des Nervensystems bei Patienten mit HIV/AIDS (zerebrale Toxoplasmose, Kryptokokkose,
progressive multifokale Leukoenzephalopathie, Zytomegalievirus-Enzephalitis/Polyneuroradikulitis,
primäres ZNS- Lymphom). Unter den Routineparametern ist insbesondere
der Nachweis einer humoralen Mehrklassenreaktion (IgG, IgA, IgM) wegweisend
für das Vorliegen einer opportunistischen Infektion. Eine Dreiklassenantwort
ist bei opportunistischen HIV-assoziierten Neuromanifestationen in etwa
der Hälfte der Fälle vorhanden. Einzig typischer Zellbefund ist
eine überwiegend granulozytäre Pleozytose bei Zytomegalievirus-induzierten
Komplikationen. Oligoklonale Banden differenzieren nicht zwischen primären
HIV-Neuromanifestationen und opportunistischen Infektionen. Diagnostisch
entscheidend ist der Erregernachweis aus dem Liquor.
Die Mikroskopie des
nativen Liquors im Tuschepräparat ist die Methode der Wahl für
die rasche und zuverlässige Diagnose der Kryptokokkenmeningitis. Sie
weist den Erreger in 80-90% der Fälle nach. Mit maximaler Sensitivität
von annähernd 100% wird eine Kryptokokkose des Nervensystems im Antigen-Schnelltest
oder in der Kultur bestätigt. Bei der Mehrzahl der opportunistischen
ZNS-Infektionen kommt der Detektion mikrobieller Genomsequenzen mittels
PCR eine herausragende diagnostische Bedeutung zu. Diese molekularbiologischen
Techniken haben bei einer Spezifität von annähernd 90-100% eine
hohe Sensitivität von 70-90% für den Nachweis von JC-Virus, dem
Erreger der progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML). Hochsensitiv
und -spezifisch gelingt die Detektion von Epstein Barr Virus (EBV)-DNA
im Liquor bei primären Lymphomen des ZNS, da primäre ZNS-Lymphome
bei Patienten mit AIDS, anders als bei immunkompetenten Personen, fast
ausnahmslos mit EBV assoziiert sind. EBV-Genome lassen sich mit einer Sensitivität
von 80-90% und einer Spezifität von 80-95% im Liquor nachweisen. Eine
hohe Sensitivität (80-90%) und Spezifität (90-95%) hat die PCR
auch bei der Diagnostik CMV-assoziierter Neuromanifestationen. Bei sehr
sensitiven PCR-Protokollen mit einer Nachweisgrenze < 10 Kopien kann
die quantitative Ermittlung der Viruslast im Liquor sinnvoll sein, um eine
latente von einer floriden CMV-Infektion des Nervensystems zu differenzieren.
Eine nur geringe bis moderate Sensitivität von ca. 50% hat die PCR
für die Diagnostik der zerebralen Toxoplasmose, die die Erkrankung
aber mit hoher Spezifität von annähernd 100% nachweist.
Die Berechnung
des AI spielt bei opportunistischen Infektionen wegen der unzuverlässigen
Ausbildung der humoralen Immunantwort gegenüber dem direkten Erregernachweis
eine geringere Rolle. Sie hat insbesondere einen Stellenwert für die
Diagnostik der subakut bis chronisch verlaufenden PML und der zerebralen
Toxoplasmose. Eine JC-Virus spezifische intrathekale Antikörperproduktion
kann mit einer der PCR vergleichbaren Sensitivität (70-90%) und Spezifität
(annähernd 100%) nachgewiesen werden. Eine Erreger-spezifische intrathekale
Antikörperproduktion findet sich außerdem gelegentlich bei zerebraler
Toxoplasmose.
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Literatur:
Wildemann B, Oschmann P, Reiber HO. Neurologische Labordiagnostik - Referenzreihe
Neurologie. Thieme Verlag Stuttgart 2006
Petereit HF, Seifert K, Geiss HK, Wildemann B. Liquoranalytik in der Diagnostik
Erreger-bedingter Erkrankungen des Zentralnervensystems. Nervenarzt (im Druck)
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