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Er verstarb plötzlich am 4.12.2005 im 83. Lebensjahr. Beeindruckend
hat er seinen Lebensweg in der Autobiographie "Von den Masuren über
Königsberg und Jena nach Rostock" (Altstadt-Verlag, 3. Aufl.)
geschildert. Mit dem Medizinstudium in Jena begann nach den turbulenten
Zeiten des 2. Weltkrieges der Neubeginn. Als junger Facharzt widmete
er sich pathophysiologischen Themen. Die Entwicklung der nach ihm benannten
Zellsedimentationskammer war ein Meilenstein in der Zytodiagnostik der
zellarmen Zerebrospinalflüssigkeit (CSF) und machte ihn alsbald
als namhaften Fachexperten über die Landesgrenzen hinaus bekannt.
Die Habilitation erfolgte 1956. Vier Jahre danach erschien seine erste Monographie "Cytologie
der Cerebrospinalflüssigkeit". Die nachfolgend deklarierten "Liquorsyndrome" ermöglichten
auf der Basis des CSF-Differential-Zellbildes (Sayk) bei entzündlichen und
vaskulären sowie durch Tumoren bedingten Erkrankungen des ZNS Rückschlüsse
auf die pathomorphologischen Abläufe im Liquorgrenzflächenbereich.
Eine Vielzahl von Hospitanten aus dem In- und Ausland kamen in sein Labor; etwa
ein Dutzend Habilitationen entstanden zur Liquorzytologie.
1961 erfolgte die Berufung nach Rostock auf den ersten selbständigen Lehrstuhl
mit Direktorat für Neurologie. Hier baute er bald eine zeitgemäße
klinische Neurologie mit breitem Spektrum der diagnostischen sowie therapeutischen
Verfahren und selbständigen Spezialgebiete auf neben der Liquorologie, die
Neuroelektrodiagnostik, Neuroradiologie und neuen klinischen Funktionsprüfungen,
bis zur Etablierung der Neuroimmunologie, der Neuroonkologie, der Intensivrehabilitation
und der Schmerzbehandlung.
In zehn dieser Arbeits- und Forschungsbereiche erfolgten Habilitationen
durch seine Oberärzte, die fast alle Chefarztfunktionen bzw. eine
Professur mit Lehrstuhl erreichten. Während seines 28jährigen
Wirkens wurden 510 wissenschaftliche Arbeiten publiziert und eine Vielzahl
von Promotionen und Diplomanden betreut. Mit Hochachtung seien seine
zahlreichen Publikationen, Handbuchartikel und Buchausgaben erwähnt.
Eine Reihe von Tagungen und Symposien erfolgten stets mit nicht geringer
internationaler Beteiligung.
Es war ein erfülltes Leben, geprägt durch Fleiß und
unermüdliche Tätigkeit. Neue Ideen setzte er mit Ausdauer gegen
Widerstand durch. Mit Güte und Fürsorge sorgte er sich um die
ihm Anvertrauten. Sein Lebenswerk als Hochschullehrer, Arzt und Klinikchef
fand weltweit Anerkennung: als Gründungsmitglied der CSF Research
Group der World Federation of Neurology (WFN, 1957), der AG und späteren
Gesellschaft für Liquorforschung und klinische Neurochemie (Ehrenmitglied),
der Internat. Multiple Sclerosis Society, als langjähriges Mitglied
der Dtsch. Akademie für Naturforscher Leopoldina, neben weiteren
Ehrenmitgliedschaften (Dtsch. Ges. f. Neurol. bis zum Fellow of Royal
Soc. Med. London); er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Medaillen.
In seiner Autobiographie "Von den masurischen Seen über Königsberg
nach Jena und '"Rostock - Stationen eines Arztes und Forschers" (Altstadt-
Verlag, Rostock) schildert er anschaulich Kindheit, erste Ausbildungszeit
in der Biologie, den Einsatz als junger Fliegeroffizier sowie die Studienzeit
mit der Prägung durch markante Persönlichkeiten an der traditionsreichen
Medizinischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Nach der Promotion 1950 und anfänglichem Interesse für die
Neurochirurgie erfolgte seine fachärztliche Ausbildung an der Hans-Berger-Nervenklinik
in Jena bei R. Lemke (dessen Lehrbuch fiir Neurologie und Psychiatrie
friiher recht bekannt war).
Neben der klinischen Tätigkeit widmete sich 1. Sayk pathobiochemischen
Themen, so dass ihm alsbald auch die Leitung des klinischen und experimentellen
Laboratoriums der Univ.- Nervenklinik Jena übertragen wurde.
Hier entwickelte er "seine" Sedimentkammer für die Zytologie
der Zerebrospinalflüssigkeit (CSF) zusammen mit dem Zeiss-Mikrolaboratorium
und der dortigen Patentabteilung. Die von ihm erarbeitete optimale Zelldarstellung
im zellarmen Nervenwasser bot erstaunliche diagnostische Möglichkeiten
mit Anwendung des Liquor-Differentialbildes sowie Deklarierung der "Liquorsyndrome" (später
ergänzend der Tumorliquorsyndrome ).
Mit dem Thema der Liquorzytologie erfolgte 1956 die Habilitation, im
selben Jahr die Ernennung zum Dozenten und zum Leiter der Abt. Neurologie
der Klinik. Ein zwischenzeitlicher Arbeitsaufenthalt am Hirnforschungsinstitut
von Oskar und Cecile Vogt in Neustadt/Schwarzwald führt zum anhaltenden
Interesse für die Neuropathologie. Im Jahre 1960 erschien seine "Cytologie
der Cerebrospinalflüssigkeit", die über Jahre hinaus richtungweisend
wurde. Auf dem Gebiet der CSF-Zytologie entstanden in den folgenden zehn
Jahren etwa ein Dutzend Habilitationen im In- und Ausland.
Nach der mehrjährigen Leitung der Abt. Neurologie sowie des Hirnforschungslaboratoriums
in Jena (und einer kurzen Lehrstuhlvertretung an der Medizinischen Akademie
in Erfurt) wurde 1. Sayk 1961 auf den ersten selbständigen Lehrstuhl
mit dem Direktorat für Neurologie an der Univ.-Nervenklinik Rostock
berufen. Hier gelang es ihm schnell, eine zeitgemäße klinische
Neurologie aufzubauen:
Er war mit Elan an der Etablierung eines breiten Spektrums der diagnostischen
Verfahren interessiert. Neben der Liquorologie (jetzt Zentrallabor des Klinikums),
dem kompletten Bereich der damals in Eigenregie geführten Neuroradiologie
sowie der Neuroelektrodiagnostik waren es auch die klinischen Funktionsprüfungen,
um die er sich durch Entwicklung neuer Testverfahren (u.a. Kleinhirn-Synergie-Test,
thalamischer SchmerzBeugereflex) intensiv bemühte. Im Zusammenhang
mit der zunehmend für die Neurologie Bedeutung erlangenden Multiple-Sklerose-Forschung
und dem Interesse an den entzündlichen Erkrankungen etablierte sich etwa
zeitgleich mit der Forschungsabteilung am Institut für Biochemie ab 1969
das neue Gebiet der Neuroimmunologie (bis hin zur Tumorimmunologie). Alsbald
wurde auch die Neuroonkologie (Früherkennung, Polychemotherapie sowie
psychosoziale Betreuung) in die Profilierung der Klinik aufgenommen. Weitere
Bemühungen betrafen die Intensivrehabilitation nach Schädel-Hirnverletzungen
(mit Wacheinheit - heutige Intensivstation) und die Schmerzbehandlung. In zehn
dieser durch Prof. Dr. Sayk initiierten Arbeits- und Forschungsbereiche erfolgten
ab Ende der 60er Jahre Habilitationen durch seine Oberärzte, fast alle
erreichten eine Chefarztfunktion oder Professur bzw. Lehrstühle.
Während des 28jährigen Wirkens von Prof. Dr. Sayk wurden
seitens der Neurologie Rostock 510 wissenschaftliche Arbeiten publiziert,
zudem eine Vielzahl von Promovenden und Diplomanden betreut. Aus seiner
eigenen Feder entstammen fünf Monographien (seine "Therapie
neurologischer Erkrankungen" erreicht vier Auflagen). Eine Anzahl
von Buch- und Handbuchbeiträgen sowie Originalarbeiten beschäftigten
sich mit pathophysiologischen bis hin zu internistischen und neuropathologischen
Aspekten. Bemerkenswert sind seine Enzymtheorie zur Metastasierung der
Hirngeschwülste, seine Untersuchungen zur Quellbarkeit des kollagenen
Faserwerkes der Leptomeninx bei Polyneuritiden und seine Korrespondenz
mit dem Zellphysiologen O. Warburg (Atmungsferment). Ein wichtiges Anliegen
war ihm die Durchführung einer Reihe von Tagungen und Symposien
- mit stets nicht geringer internationaler Beteiligung - zu den verschiedenen
in Rostock bearbeiteten Spezialgebieten. Die Klinik war eine häufige
Hospitationsstätte für in- und ausländische Gäste
(in deren Betreuung auch seine liebe Frau Dora einbezogen wurde).
Mit Vorbildwirkung und Selbstdisziplin widmete sich Prof. Dr. Sayk der
von ihm stets als vorrangig angesehenen klinisch-ärztlichen Versorgung
seiner Patienten, die sich dessen auch bewusst waren. Nicht zuletzt fühlte
er sich der Aus- und Weiterbildung verpflichtet. Innerhalb der Lehrveranstaltungen
waren ihm besonders die Seminare und Praktika wichtig. Dabei wurden Generationen
von Ärzten die erforderliche Einstellung zur Ethik bei der Patientenbetreuung
vermittelt. Er engagiert sich mit seinen Mitarbeitern - auch richtungsweisend
- fiir die fachärztliche Ausbildung im Rahmen der Akademie für ärztliche
Fortbildung Berlin.
Prof. Dr. Sayk war im Jahr 1957 ein Gründungsmitglied der CSF Research
Group der World (Federation of Neurology und der Arbeitsgemeinschaft
(nach 1992 Gesellschaft) für Liquorforschung und klinische Neurochemie
(jetzt Ehrenmitglied) sowie jahrzehntelang im Advisory Board der International
Multiple Sclerosis Society aktiv tätig. Seit 1968 ist er Mitglied
der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. Neben der Ehrenmitgliedschaft
in der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Academia Brasileira
de Neurologia ist er Fellow of the Royal Society of Medicine London.
Er bekam eine Reihe von Auszeichnungen, u.a. den Rudolf- Virchow-Preis,
die Karl-Bonhoeffer-Medaille (Gesellschaft für Psychiatrie
und Neurologie). Im Jahre 1989 erhielt er die Ehrendoktorwürde der
Academia Medycznej Poznan. Im selben Jahr wurde er emeritiert. Danach
war er nicht nur gutachterlich tätig, sondern bestrebt, weiterentwickelte,
kombiniert Zell-Anreicherungsverfahren für die Liquorzytologie zu
optimieren.
Nationale und internationale Anerkennungen
1957: Founder Member of Cerebrospinal Fluid Research Group of World Federation
of Neurology
1965: Rudolf-Virchow-Preis
1968: Mitglied d. Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina
1972: Member of Advisory Board of International Multiple Sclerosis Societies
1987: Ehrenmitglied d. Deutschen Gesellschaft für Neurologie
1988: Karl-Bonhoeffer-Medaille d. Gesellschaft für Psychiatrie und Neurologie
1989: Ehrenmitglied d. Academia de Neurologia Brasiliens
1989: Ehrendoktor d. Academia Medycznej Poznan, Polen
1991: Fellow of The Royal Society of Medicine London
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