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Am 24. Juni 2006 verstarb Frau Prof. Dr. Rose-Marie Olischer im 81.
Lebensjahr nach schwerer Krankheit.
Am 25. September 1925 in Rostock geboren, war ihre Jugend geprägt
vom Krieg und dessen Auswirkungen. Sie erlernte zunächst einen handwerklichen
Beruf und schloss eine Fachausbildung als Vermessungszeichnerin mit anschließender
Tätigkeit im Vermessungswesen ab.
Von 1954 bis 1959 studierte sie an der Universität Rostock Humanmedizin
und promovierte mit einem Thema aus der Nervenheilkunde. Nach Abschluss der Ausbildung zur Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie und nach ihrer Habilitation im Jahre 1969 („Die Zellreaktionen des Liquor cerebrospinalis“) wurde sie zur Oberärztin der Neurologischen Klinik der Universität Rostock ernannt. Es folgte 1970 die Facultas docendi und Lehrtätigkeit. 1976 wurde ihre umfangreiche wissenschaftliche Arbeit durch die Berufung zur außerordentlichen Professorin gewürdigt.
Ihre wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Liquorfoschung hat
wesentlich zur Profilierung der Rostocker Neurologie und damit auch zum
internationalen Ansehen der Universität Rostock beigetragen. Beginnend
1962 baute sie ein liquorzytologisches Speziallabor auf, das eine Leiteinrichtung
in der DDR war.
Sie hat Facharztkandidaten, aber auch viele Hospitanten des In- und Auslandes
in dieses Spezialgebiet eingeführt und zahlreiche Diplomarbeiten und Promotionen
betreut. Große Verdienste erwarb sie sich durch die maßgebliche
Mitarbeit an der Standardisierung von Untersuchungsverfahren in der Liquorologie.
Frau Prof. Olischer war über ein Jahrzehnt Vorsitzende der Sektion
Klinische Neurochemie und Liquorforschung der Gesellschaft für Psychiatrie
und Neurologie der DDR, aus der 1994 die Deutsche Gesellschaft für
Liquordiagnostik und Klinische Neurochemie hervorging, deren Ehrenmitglied
sie war.
Zahlreiche Vorträge und über 100 Publikationen in Fachzeitschriften
und wissenschaftlichen Sammelbänden dokumentieren ein Leben für die
Wissenschaft.
Frau Prof. Olischer hat ihre ganze Kraft für die Patientenbetreuung,
die Forschung, die Lehre sowie die Förderung von Nachwuchswissenschaftlern
eingesetzt. Mit großer Fürsorge und Geduld sorgte sie sich
um die ihr Anvertrauten. Als Hochschullehrerin und als Oberärztin
vermittelte sie neben Fachwissen auch die ethischen Grundwerte ärztlicher
Tätigkeit durch ihre Hingabe an die Patienten, durch ihr Verständnis,
ihre Uneigennützigkeit und ihre Güte.
Mit Frau Prof. Olischer ist eine besondere Frau mit außergewöhnlichen
Fähigkeiten und vielseitigen Interessen von uns gegangen. Bescheiden
und selbstlos wirkte sie überzeugend sowohl im dienstlichen als
auch im privaten Leben. Ihre ethischen Grundwerte als Ärztin entsprangen
nicht zuletzt ihrer tiefen Ehrfurcht vor dem Leben. Wer mit ihr über
unser Sein philosophierte, ging bewegt und bereichert aus solchen Gesprächen
hervor. Die Liebe zur Natur war ihr Kraftquell und Herausforderung zugleich,
was sich dem Eingeweihten auch in ihrem künstlerischen Wirken als
Malerin zeigte.
Ich empfinde große Dankbarkeit für die Beförderung meiner fachlichen
Entwicklung durch Frau Prof. Olischer, die mich schließlich in die Lage
versetzte, das maßgeblich von ihr in Rostock aufgebaute Speziallabor
für Liquordiagnostik in ihrem Sinne weiterzuführen.
Auch werden mir die erfrischenden Fachsimpeleien über Kunst und Literatur
unvergessen bleiben.
Uns verband u.a. die gemeinsame Liebe zur Farbe Blau...
Das ewige Fallen
Im Wissen
um das Schöne
was gewesen
um das Gute
was bleibt
um die Dankbarkeit
die empfunden
ist alles auf Zeit
ist endlich
wie ein zartblauer Hauch...
(Reinhard Lehmitz)
Wir werden Frau Prof. Dr. Olischer ein ehrendes Andenken bewahren.
Dr. rer. nat. Reinhard Lehmitz
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