Multiple Sklerose   



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Multiple Sklerose
 
 

Bei etwa 60% der MS-Patienten findet sich eine mäßige Zellzahlerhöhung zwischen 4 und 50/µl. In Einzelfällen finden sich Zellzahlen zwischen 50 und 100/µl. Zellzahlen über 100/µl sind nur in Ausnahmefällen (zum Beispiel kindliche und jugendliche MS) mit der Diagnose vereinbar. Die Zelldifferenzierung zeigt überwiegend Lymphozyten mit Aktivierungszeichen des Lymphozytensystems (aktivierte Lymphozyten, Plasmazellen). Der Anteil an aktivierten B-Lymphozyten und Plasmazellen ist in der Regel geringer als 10%. Der zytologische Befund kann bei MS-Patienten auch ohne pathologische Auffälligkeiten sein (10-15%).
Das Gesamtprotein im Liquor ist normal oder leicht erhöht (< 800 mg/L). Aufgrund der Berücksichtigung der Relation von Serum- und Liquor-Wert eines definierten Proteins ist der Albumin-Quotient wesentlich genauer. Er zeigt in 70-80% der Fälle normale Werte, mäßig häufig eine leichte (8-10) und selten eine mittlere (10-20) Schrankenfunktionsstörung.
Typisch für die MS ist eine intrathekale IgG-Synthese, die mit Hilfe des ungenaueren IgG-Indexes oder des Quotientendiagramms quantifiziert werden kann (Sensitivität 75%). Der qualitative Nachweis oligoklonalen IgG ist für die MS unspezifisch, aber hochsensitiv (>95%). Intrathekale IgA- und /oder IgM-Synthesen kommen bei der MS gelegentlich vor. Eine intrathekale IgM-Synthese soll mit einer ungünstigeren Prognose einhergehen (Villar). Eine dominante IgA- Synthesen läßt Zweifel an der Diagnose aufkommen.
Bei der MS findet sich in Korrelation zum intrathekalen IgG in bis zu 90% eine intrathekale MRZ-Antikörpersynthese in unterschiedlicher Kombinationskonstellation, die spezifischer als die oligoklonalen Banden einen chronisch-entzündlichen Autoimmunprozess im ZNS belegt.
Die klinische Relevanz von MOG und MBP Antikörpern im Serum als prognostischer Marker bei MS wird derzeit diskutiert (Berger).
Die klinische Relevanz von MOG und MBP Antikörpern im Serum als prognostischer Marker bei MS konnte nicht bestätigt werden (Berger, 2003; Kuhle, 2007).

 
 
 
 
Methode
Diagnose
sichernd

Diffdg. relevant
Zellzahl
o  
Zelldifferenzierung o  
Blut-Liquor-Schranke
• Gesamtprotein
• QAlbumin

o
o

Humorale Immunreaktion
• Intrathekale IgG-Synthese
• Intrathekale IgM-Synthese
• Intrathekale IgA-Synthese
• Oligoklonale Banden

o
o
o
o



Laktat
Glukose-Quotient
  i
i
AI (Masern, Röteln, Zoster) o  
Al Borrelien   o

Tabelle 12: Wertigkeit verschiedener Liquorparameter in der Diagnostik der Multiplen Sklerose. MRZ: Masern-Röteln-Zoster; MOG: Myelin-Oligodendrozyten-Glycoprotein; MBP: Myelin-Basisches-Protein (o=obligat, i=informativ)

 
 
 
 
Literatur:

Andersson M, et al.: Cerebrospinal fluid in the diagnosis of multiple sclerosis: a consensus report. J Neurol Neurosurg Psychiatry 1994; 57: 897-902.

Berger T, et al.: Antimyelin antibodies as a predictor of clinically definite multiple sclerosis after a first demyelinating event. N Engl J Med 2003; 349: 139-145.

Freedman MS, et al.: Recommended Standard of cerebrospial fluid analysis in the diagnosis of multiple sclerosis. Arch Neurol 2005; 62: 865-870.

Kuhle J, et al. Lack of association between antimyelin antibodies and progression to multiple sclerosis. N Engl J Med. 2007;356(4):371-8.

Zettl UK, Lehmitz R, Mix E (Hrsg.): Klinische Liquordiagnostik. Walter de Gruyter Verlag 2005.

Zettl UK, Tumani H. Cerebrospinal fluid and multiple sclerosis. Blackwell Publishing, Oxford 2005.


 

Deutsche Gesellschaft für Liquordiagnostik und Klinische Neurochemie e.V.
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