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Bereits die Inspektion des Liquors kann
unter Umständen wichtige Hinweise liefern. So sollte ein trüber
Liquor an eine eitrige Meningitis, ein blutiger oder xanthochromer Liquor
an eine Subarachnoidalblutung denken lassen.
Eine erhöhte Zellzahl ist Diagnose sichernd, eine normale Zellzahl
bei normalem Immunstatus schließt die Diagnose weitgehend aus. Eine
seltene Ausnahme stellt die nicht-eitrige, sog. apurulente Meningitis dar
(Felgenhauer). Von großer Bedeutung ist die Liquor-Zytologie (lymphozytäre
vs. granulozytäre Meningitis), da sie differenzialdiagnostisch wichtige
Hinweise und damit Therapie entscheidende Informationen liefert. Dies gilt
auch für die Parameter Glukose-Quotient, Laktat, und Parameter, die
die Blut-Liquor-Schranke erfassen, wie Gesamteiweiß, Albumin-Quotient
und Quotienten-Diagramm (s. Tabelle 11). Während ein einzelner dieser
Parameter nicht ausreicht, um beispielsweise eine virale von einer bakteriellen
Meningitis zu unterscheiden, gelingt diese prognostisch und therapeutisch
wichtige Differenzierung mit 99% Sicherheit, wenn alle Parameter zusammen
ausgewertet werden (Spanos). Die Zytologie ist dabei nicht nur in der Lage,
zwischen vermutlich bakterieller und viraler Genese zu unterscheiden, sie
differenziert auch ein meningitisches Syndrom im Rahmen einer Meningeosis
neoplastica oder einer Subarachnoidalblutung von einer Meningitis im engeren
Sinne [Kluge]. Indikatoren einer bakteriellen Entzündung im Serum
wie CRP und Procalcitonin können weitere differenzialdiagnostisch
wichtige Hinweise liefern (Gerdes).
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| Liquorparameter |
bakterielle Meningitis |
virale Meningitis |
tuberkulöse Meningitis |
| Zellzahl /µl |
> 1000 |
> 1000 |
> 1000 |
| Zytologie |
granulozytär |
lymphozytär |
gemischtzellig |
| Glukose-Quotient |
erniedrigt |
normal |
erniedrigt |
Lactat
mMol/l
|
> 5 |
> 5 |
> 5 |
Gesamteiweiß mg/l
|
> 1000 |
> 1000 |
> 1000 |
| Blut-Liquor-Schranke |
schwer gestört |
normal bis leicht erhöht |
schwer gestört |
| Intrathekale Ig-Synthese |
Im Verlauf IgA, IgG |
Im Verlauf IgG |
Im Verlauf IgA |
Tabelle 10: Typische Liquorbefunde bei verschiedenen
Meningitiden (nach Felgenhauer: Labordiagnostik neurologischer Erkrankungen).
Um eine gezielte Therapie einleiten zu können, ist nach der initialen
Differenzierung in virale, bakterielle, tuberkulöse, und sonstige
Meningitiden ein Erregernachweis zur gezielten kausalen Therapie wünschenswert.
Aufgrund der teilweise geringen Sensitivität der verschiedenen Nachweisverfahren
bietet sich eine Kombination verschiedener Methoden zum Erregernachweis
an (Übersicht bei Petereit et al).
Zu den häufigen Erregern einer eitrigen Meningitis beim Immunkompetenten
gehören Neisseria meningitidis bei Jugendlichen und Streptokokkus
pneumoniae im höheren Lebensalter und Staphylokokkus aureus bei Schädel-Hirn-Trauma
oder operativem Eingriff an der Kalotte in der Vorgeschichte. Bei immunsupprimierten/
immunschwachen Patienten können auch eine Reihe anderer Erreger, darunter
Kryptokokken, Pilze und bei entsprechender Vorgeschichte auch Hospitalkeime
erwartet werden. Subakute Meningitiden können durch Borrelia burgdorferi,
Treponema pallidum und Mycobakterium tuberculosis hervorgerufen werden
(siehe auch Neuroborreliose, Neurolues, Neurotuberkulose).
Behandelbare lymphozytäre Meningitiden werden in der Regel durch Herpes
simplex Virus Typ 2 hervorgerufen. Eine Vielzahl von viralen Erregern,
für die jedoch keine Therapie zur Verfügung steht, darunter Adeno-,
Entero-, Echo-, Parainfluenzaviren verursachen ebenfalls akute lymphozytäre
Meningitiden. Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass
eine lymphozytäre Meningitis nicht zwingend erregerbedingt, sondern
auch im Rahmen einer immunologischen Erkrankung oder medikamentös
hervorgerufen werden kann.
Der Erregernachweis gelingt bei den bakteriellen Meningitiden teilweise
bereits im mikroskopischen Präparat. Die Färbung richtet sich
nach der Verdachtsdiagnose. Gramfärbung bei Verdacht auf bakterielle
Meningitis oder Sprosspilze, Tuschepräparat bei Kryptokokken, modifizierte
Ziehl-Neelsen-Färbung bei Verdacht auf tuberkulöse Meningitis.
Die Sensitivität der Gramfärbung liegt bei etwa 50%, die der
Ziehl-Neelsen-Färbung bei 20%. Die Konzentration der Bakterien im
Liquor, antibiotische Vorbehandlung und der Erreger selbst haben einen
entscheidenden Einfluss auf die Sensitivität der Gramfärbung:
Weniger als 103 Kolonie-bildende Einheiten führen zu einer Sensitivität
der Gramfärbung von bestenfalls 60%, mehr als 105 Kolonie-bildende
Einheiten erhöhen die Sensitivität auf 97%. Am besten lassen
sich Pneumokokken mit einer Sensitivität von 90%, am schlechtesten
Listerien in der Gramfärbung nachweisen (La Scolea, Gray). Wegen der
häufig hämatogenen Genese einer bakteriellen Meningitis ist die
mikrobiologische Diagnostik aus ergänzenden Blutkulturen sinnvoll.
Der Erregernachweis mittels Latex-Agglutination von Erreger-Oberflächen-Antigenen
liefert Ergebnisse innerhalb weniger Minuten und ist deshalb als Bedside-Test
geeignet. Allerdings ist die Sensitivität in Abhängigkeit von
der Erregerdichte und im Falle einer Meningitis durch Meningokokken (50
bis 93%) eingeschränkt (Gray). Der Nachweis und die Differenzierung
kann auch mittels molekularbiologischer Methoden PCR aus dem nativen Liquor
gelingen (Radstrom). Unverzichtbar ist jedoch nach wie vor die klassische
mikrobiologische Erregeranzucht und -differenzierung, die auch Voraussetzung
für die Erstellung eines Antibiogramms ist.
Methode
|
Diagnose
sichernd
|
Diffdg. relevant
|
Therapie
entscheidend
|
Zellzahl
|
o |
o |
o |
| Zelldifferenzierung |
o |
o |
o |
Blut-Liquor-Schranke
•
Gesamtprotein
•
QAlbumin
|
o
o |
o
o |
o
o |
Humorale Immunreaktion
•
Intrathekale IgG-Synthese
•
Intrathekale IgM-Synthese
•
Intrathekale IgA-Synthese
•
Oligoklonale Banden
|
o
o
o
o |
o
o
|
|
Laktat
Glukose-Quotient
|
o
o |
o
o |
|
| PCR |
o |
o |
o |
| Al |
o |
o |
o |
| Latexagglutinationstest |
o |
o |
o |
| Mikrobiologische Diagnostik |
o |
o |
o |
Tabelle 11: Wertigkeit verschiedener Liquorparameter bei
der Diagnostik der Meningitis. (o=obligat, i=informativ)
Bei Verdacht auf eine virale Genese der Meningitis ist der Nukleinsäure-Nachweis
eine Methode, die schnell und sensitiv (über 90% in der Frühphase
bei Herpesviren) den Erreger identifiziert. Allerdings halten wir den Nukleinsäure-Nachweis
nur derjenigen Erreger für gerechtfertigt, für die eine kausale
Therapie verfügbar ist, das sind in der Regel die Viren der Herpes-Gruppe.
Lymphozytäre Meningitiden werden wesentlich häufiger durch Adeno-,
RS- oder Parainfluenza-Viren hervorgerufen. Hier ist die Identifikation
des Erregers bei fehlender therapeutischer Konsequenz für den klinischen
Alltag von untergeordneter Bedeutung. Gelingt der Erregernachweis mittels
Nukleinsäure-Amplifikation nicht, kann der Antikörper-Index (AI)
mit einer Sensitivität von fast 100% die Diagnose sichern [Cinque
1996]. Für die Bestimmung dieser rechnerischen Größe sind
die Kenntnis der Konzentration von Albumin, IgG und Erreger-spezifischem
IgG, jeweils im Serum und Liquor nötig (Reiber 1995).
Bei der meningitischen Form der Neuroborreliose ist der AI das Nachweisverfahren
der Wahl (Leitlinien der DGN, www.dgn.de), da die Sensitivität des
Nukleinsäure-Nachweises enttäuschend gering ist.
Bei Verdacht auf eine tuberkulöse Meningitis (siehe auch Neurotuberkulose)
begründet die Konstellation aus Eiweißerhöhung, vermindertem
Glukose-Quotient, erhöhtem Laktat mit gemischtzelliger Pleozytose
den Beginn einer tuberkulostatischen Therapie. Der Erregernachweis sollte
aufgrund der langfristigen, nebenwirkungsreichen Therapie unbedingt angestrebt
werden, obwohl die Sensitivität von Mikroskopie (15%) und PCR (30%)
gleichermaßen niedrig sind. Repetitive Untersuchungen erhöhen
die Nachweiswahrscheinlichkeit. Die Anlage von Kulturen aus Liquor, Magensaft
und Urin ist obligat.
Bei der Meningitis ist eine einzelne Punktion nicht ausreichend. Zum einen
gelingt der indirekte Erregernachweis oft erst ab der 2. Krankheitswoche.
Bei Krankheitsbildern wie der Neuroborreliose erreicht der indirekte Erregernachweis
als Methode der Wahl erst ab der 8. Krankheitswoche eine Sensitivität
von nahe 100% (s. Kapitel Neuroborreliose). Zum anderen sollte bei der
bakteriellen Meningitis der Therapieerfolg anhand einer nach 24 Stunden
abfallenden Zellzahl oder einer sich normalisierenden Blut-Liquor-Schrankenfunktion
dokumentiert werden.
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Literatur:
Felgenhauer K, Beuche W: Labordiagnostik neurologischer Erkrankungen. Thieme
Verlag Stuttgart 1999. S44 ff
Gerdes LU, Jorgensen PE, Nexo E, Wang P: C-reactive protein an bacterial meningitis:
a meta-analysis. Scand J Clin Lab Invest 1998; 58: 383-93.
Gray LD, Fedorko DP: Laboratory diagnosis of bacterial meningitis. Clin Microbiol
Rev 1992; 5: 130-145.
Kluge H, Wieczorek V, Linke E, Zimmermann K, Witte O: Atlas der praktischen
Liquorzytologie. Thieme Verlag Stuttgart 2005.
La Scolea LJ, Dryja D: Quantitation of bacteria in cerebrospinal fluid and
blood of children with meningitis and its diagnostic significance. J Clin Micribiol
1984;19:187-190.
Petereit HF, Seifert K, Geiss HK, Wildemann B: Liquoranalytik in der Diagnostik
Erreger-bedingter Erkrankungen des Zentralnervensystems. Nervenarzt 2005.
Radstrom P, Backman A, Quian N, Kragsbjerg P, Pahlson C, Olcen P: Detection
of bacterial DNA in cerebrospinal fluid by an assay for simultaneous detection
of Neisseria meningitidis, Haemophilus influenzae, and streptococci using seminested
PCR strategy. J Clin Microbiol 1994;32:2738-44.
Reiber H: External quality assessment in clinical neurochemistry; survey analysis
for cerebral fluid (CSF) proteins based on CSF/serum quotients. Clin Chem 1995;
41: 256-263.1995
Spanos A, Harrell FE Jr, Durack DT: Differential diagnosis of acute meningitis:
an analyis of the predictive value of initial observations. JAMA 1989; 262:
2700-7.
Viallon A, Zeni F, Lambert C, Pozzetto B, Tardy B, venet C, Bertrand JC: High
sensitivity and specificity of serum procalicotinin levels in adults with bacterial
meningitis. Clin Infect Dis 1999; 28: 1313-6.
Cinque P, Cleator GM, Weber T, Monteyne P, Sindic CJ, van Loon AM. The role
of laboratory investigation in the diagnosis and management of patients with
suspected herpes simplex encephalizis: a consensus report. The EU Concerted
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