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Während die Diagnose solider Tumoren
und Metastasen des ZNS die Domäne bildgebender Verfahren, ggf. mit
nachfolgender Histologie, ist, erweist sich die Liquoranalytik für
die Erkennung und Therapiekontrolle einer Meningeosis neoplastica immer
noch als unerlässlich; für die Erstuntersuchung
sollten zeitgleich 5-10 ml lumbaler Liquor und 5 ml Serum steril gewonnen
werden, für
die Verlaufskontrolle ist häufig Liquor ausreichend.
Je nach Art der Primärerkrankung muss zwischen Meningeosis leukaemica,
lymphomatosa, carcinomatosa, melanomatosa, sarcomatosa und der relativ
seltenen Meningeosis bei primären Hirntumoren unterschieden werden;
abgesehen von der
in jedem Fall unerlässlichen Zytomorphologie kann das weitere Vorgehen
entscheidend davon abhängen. Gelegentlich kann umfangreichere Diagnostik
erforderlich werden, wenn die Meningeosis die Erstmanifestation einer noch
unbekannten Neoplasie darstellt. Umgekehrt erübrigen sich in der Regel
weitere Untersuchungen, wenn bei bekanntem Primärtumor die zugehörigen
atypischen Zellen bereits zytomorphologisch zweifelsfrei nachgewiesen werden
können.
Die Bestimmung der Zellzahl ist dabei als Basisinformation für die
Herstellung zytologischer Präparate und die Verlaufskontrolle erforderlich,
kann jedoch in
keinem Fall die Diagnose sichern oder ausschließen: zwischen 0 und
10 000 Zellen / µl ist prinzipiell alles möglich (!); Liquores
bei hämatologischen Erkran
kungen weisen ca. 10-100 fach höhere Zellzahlen auf als bei soliden
Tumoren.
Bei der Erstpunktion kann, ausreichende Zellpräparation und Erfahrung
des
Untersuchers vorausgesetzt, bei soliden Tumoren mit einer zytologischen
Sensitivität von ca. 70-80%, bei akuten Leukämien und hochmalignen
Lymphomen (nicht primären ZNS-Lymhomen!) von über 90% gerechnet
werden. Ggf. gelingt der Tumorzellnachweis erst bei repetitiven Lumbalpunktionen.
Prinzipiell problematisch bleibt die Unterscheidung von lymphozytären
Liquorpleozytosen bei niedrig-malignen Lymphomen zur DD Meningeosis
vs. opportunistische Infektionen, was häufig nur immunzytologisch
möglich ist. Darüber
hinaus kann die Immunzytologie zur Charakterisierung atypischer Zellen
unbekannter Herkunft bzw. mit niedrigem Relativanteil in Einzelfällen
unverzichtbar werden; die Auswahl der einzusetzenden Antikörper
orientiert sich dabei an Zytomorphologie und Zellzahl sowie ggf. bekanntem
Primärtumor (Übersicht bei:
Wick Literatur).
Charakteristisch für die Meningeosis neoplastica ist auch eine z.T.
erhebliche Blut / Liquor - Schrankenstörung sowie ein anaerober
Glucosestoffwechsel,
beides kann bei geringer Tumorlast jedoch auch fehlen. Eine Meningeosis
ist jedoch sehr unwahrscheinlich, wenn alle Basisbefunde (Eiweiß,
Glucose/Laktat, Zellzahl, Zytologie) unauffällig sind.
Die Mehrzahl der löslichen Tumormarker kann wegen unzureichender analytischer
oder diagnostischer Sensitivität sowie ungesicherter Spezifität
bzw. Beurteilungskriterien gegenwärtig nicht empfohlen werden. Eine
Ausnahme bildet die Detektion einer lokalen CEA-Synthese mit empfindlichen
Analysemethoden, die sich für Karzinome als ergänzende Methode
zur Zytologie mit hoher Spezifität erwiesen hat. Beta2-Mikroglobulin
kann dagegen wegen mangelnder Spezifität
nur dann als Indiz für einen Leukämie- bzw. Lymphombefall
angehen werden, wenn ein entzündlicher Prozess ausgeschlossen ist,
kann jedoch zur Differentialdiagnose und Ausschlussdiagnostik wertvoll werden. Andere Marker mit hoher Gewebespezifität,
die normalerweise nicht im ZNS vorkommen ( z.B. Thyreoglobulin, PSA, AFP, ß-HCG)
können bei entsprechendem Primärtumor hilfreich sein.
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Literatur:
Felgenhauer K, Beuche W: Labordiagnostik neurologischer Erkrankungen. Thieme
Verlag Stuttgart 1999
Kluge H, Wieczorek V, Linke E, Zimmermann K, Witte O: Atlas der praktischen
Liquorzytologie. Thieme Verlag Stuttgart 2005
Wick M: Immunzytologie ( p.160-167) sowie Lösliche Tumormarker ( p.246-248),
in:
Zettl U, Lehmitz R, Mix E ( Hrsg.) : Klinische Liquordiagnostik, 2. Aufl.,
Walter de
Gruyter Verlag Berlin New York 2005
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