| |
Ferritin im Liquor - ein lokal synthetisiertes Protein
Wick M*, Wick Marianne*, Fink W*, Pfister H-W**
Institut für Klinische Chemie* und Neurologische Klinik** am Klinikum
Großhadern der LMU München
|
| |
Ferritin dient der nicht toxischen Eisenspeicherung. Hohe
Konzentrationen im Liquor wurden vor allem bei Blutungen, mäßig
erhöhte gelegentlich auch bei anderen akuten ZNS-Erkrankungen gefunden.
Ziel der vorliegenden Untersuchungen war, die lokale Synthese im ZNS zu
belegen sowie die Herkunft und Bedeutung vor allem bei Blutungen näher
einzugrenzen. Hierzu wurden die Ferritin-Liquor-Serumquotienten von 367
unausgewählten Patienten mit den Albuminquotienten verglichen, die
Ferritinquotienten waren nahezu immer deutlich höher als die jeweiligen
Albuminquotienten. Um zu bestätigen daß Ferritin auch im Liquor
als Makromolekül vorliegt, wurde in 6 Fällen mit FPLC das Molekulargewicht
untersucht und mit ca. 445 kD vergleichbar mit Serum bzw. Gewebeferritin
ermittelt. In 20 immunzytologischen Experimenten erwiesen sich vor allem
Makrophagen, zum kleineren Anteil auch Tumorzellen oder Leukozyten als
mögliche Ferritinquelle. Die Abhängigkeit der Ferritinsynthese
vom Eisen bzw. Erythrozyten wurde in 10 Zellkulturexperimenten mit Monozytenzellinien
untersucht, Erythrozyten steigern die basale Syntheserate bis zu 10fach,
Eisen bis zu 20fach. In einer prospektiven Untersuchung bei 181 Patienten
mit Blutungsverdacht wurde in 71 Fällen eine SAB bestätigt,
in 54 Fällen eine Blutung ausgeschlossen. In diesem Patientenkollektiv
läßt sich, bei einem Cut-off-Wert von 15 ng/ml, 95 % Sensitivität
bei 95% Spezifität für eine SAB erreichen. Bei 30 % der SAB-Patienten
und 15 % nach neurochirurgischen Eingriffen war neben hohen Ferritinkonzentrationen
auch freies, ultrafiltrierbares Eisen nachweisbar, nicht jedoch bei traumatischen
Punktionen oder anderen Erkrankungen.
Folglich wird Ferritin im Liquor in großen Mengen
von Makrophagen nach Blutungen produziert und erweist sich als hochempfindlicher
und spezifischer Indikator einer SAB. Nach Blutungen verschiedener Ursachen
können auch freie Eisenionen mit einem möglichen toxischen Effekt
nachweisbar sein.
|