Abstracts des 5. Liquor-Symposiums der DGLN 1999, Magdeburg   



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Klinische Relevanz hirnspezifischer Proteine im Liquor und im Serum

Tumani H, Reiber H, Steinhoff BJ, Felgenhauer K

Neurologie, Universität Ulm, und Neurologie, Universität Göttingen
 

Liquor- und Serumkonzentrationen von verschiedenen Hirnproteinen (Prostaglandin D Synthase (früher Beta-Trace-Protein), Cystatin-C, Transthyretin, Apolipoprotein -E, S-100-Protein, Glutaminsynthetase, GFAP, Tau-Protein und NSE) wurden bei Patienten mit folgenden neurologischen Erkrankungen untersucht: Entzündungen mit/ohne Schrankenfunktionsstörungen (bakterielle/virale Meningitis, Multiple Sklerose), Polyneuritis (GBS), Spinalkanalengen, vaskuläre ZNS-Prozesse (Infarkt, SAB und ICB), Demenzen (Alzheimer, CJD) und fokale Epilepsie. Als normale Kontrollen dienten Liquor/Serum-Paare von Patienten, bei denen keine neurologische Grunderkrankung gefunden werden konnte. Serielle Verlaufsmessungen von S-100-Protein und NSE wurden im Serum von Patienten mit MS und Epilepsie durchgeführt. Die wesentlichen Ergebnisse waren:

Der größte Anteil der Hirnproteine im lumbalen Liquor stammt aus den Meningen und Plexus, nicht aus dem Parenchym. Die Liquorkonzentration von meningealen Proteinen (z.B. Beta-Trace) ist bei der bakteriellen Meningitis erniedrigt. Die Festlegung eines Albuminkorrelierten Referenzbereiches ist sinnvoll, wenn Erkrankungen mit erhöhtem Albuminquotienten verglichen werden.

Die parenchymalen Proteine glialen und neuronalen Ursprungs (S-100 und NSE) im zisternalen Liquor nach Foramen ovale Punktionen sind zur Seitenunterscheidung der epileptischen Foci geeignet.

Das Tau-Protein kann als neuronaler Destruktionsmarker im lumbalen Liquor bei dementiellen Erkrankungen und bei Meningitis herangezogen werden. Bei der bakteriellen Meningitis steigen die Spiegel des Tau-Protein im Verlauf erst an und sind bei der diagnostischen Erstpunktion noch im Normbereich. Bei ausgeprägter Neuronenschädigung kann das Tau-Protein, ähnlich dem NSE, auch im Serum erhöht sein.

Im Serum von Patienten mit MS kann die Messung des S-100 als Marker für subklinische Krankheitsaktivität mit guter Korrelation zu Läsionszunahme im MRT dienlich sein. Hirnproteine glialen Ursprungs können als zellspezifische Aktivitätsmarker auch bei chronisch verlaufenden Erkrankungen von Bedeutung sein. Die Messung der hirneigenen Proteine im Liquor und im Serum ist eine zusätzliche Möglichkeit zur Erfassung von ZNS-Prozessen, und können bei der diagnostischen und prognostischen Einschätzung als wichtige Ergänzung zu den bildgebenden Verfahren dienen.


Deutsche Gesellschaft für Liquordiagnostik und Klinische Neurochemie e.V.
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