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Klinische Relevanz hirnspezifischer Proteine im Liquor
und im Serum
Tumani H, Reiber H, Steinhoff BJ, Felgenhauer K
Neurologie, Universität Ulm, und Neurologie, Universität
Göttingen
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Liquor- und Serumkonzentrationen von verschiedenen Hirnproteinen
(Prostaglandin D Synthase (früher Beta-Trace-Protein), Cystatin-C,
Transthyretin, Apolipoprotein -E, S-100-Protein, Glutaminsynthetase, GFAP,
Tau-Protein und NSE) wurden bei Patienten mit folgenden neurologischen
Erkrankungen untersucht: Entzündungen mit/ohne Schrankenfunktionsstörungen
(bakterielle/virale Meningitis, Multiple Sklerose), Polyneuritis (GBS),
Spinalkanalengen, vaskuläre ZNS-Prozesse (Infarkt, SAB und ICB),
Demenzen (Alzheimer, CJD) und fokale Epilepsie. Als normale Kontrollen
dienten Liquor/Serum-Paare von Patienten, bei denen keine neurologische
Grunderkrankung gefunden werden konnte. Serielle Verlaufsmessungen von
S-100-Protein und NSE wurden im Serum von Patienten mit MS und Epilepsie
durchgeführt. Die wesentlichen Ergebnisse waren:
Der größte Anteil der Hirnproteine im lumbalen
Liquor stammt aus den Meningen und Plexus, nicht aus dem Parenchym. Die
Liquorkonzentration von meningealen Proteinen (z.B. Beta-Trace) ist bei
der bakteriellen Meningitis erniedrigt. Die Festlegung eines Albuminkorrelierten
Referenzbereiches ist sinnvoll, wenn Erkrankungen mit erhöhtem Albuminquotienten
verglichen werden.
Die parenchymalen Proteine glialen und neuronalen Ursprungs
(S-100 und NSE) im zisternalen Liquor nach Foramen ovale Punktionen sind
zur Seitenunterscheidung der epileptischen Foci geeignet.
Das Tau-Protein kann als neuronaler Destruktionsmarker im
lumbalen Liquor bei dementiellen Erkrankungen und bei Meningitis herangezogen
werden. Bei der bakteriellen Meningitis steigen die Spiegel des Tau-Protein
im Verlauf erst an und sind bei der diagnostischen Erstpunktion noch im
Normbereich. Bei ausgeprägter Neuronenschädigung kann das Tau-Protein,
ähnlich dem NSE, auch im Serum erhöht sein.
Im Serum von Patienten mit MS kann die Messung des S-100
als Marker für subklinische Krankheitsaktivität mit guter Korrelation
zu Läsionszunahme im MRT dienlich sein. Hirnproteine glialen Ursprungs
können als zellspezifische Aktivitätsmarker auch bei chronisch
verlaufenden Erkrankungen von Bedeutung sein. Die Messung der hirneigenen
Proteine im Liquor und im Serum ist eine zusätzliche Möglichkeit
zur Erfassung von ZNS-Prozessen, und können bei der diagnostischen
und prognostischen Einschätzung als wichtige Ergänzung zu den
bildgebenden Verfahren dienen.
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