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Ringversuch Liquor (INSTAND) - Ein umfassendes Quality Assessment
H. Reiber (Internet: www.horeiber.de),
Neurochemisches Labor, Göttingen
Mit dem Ringversuch Liquordiagnostik wurde vor nunmehr 15 Jahren zum
ersten Mal ein umfassendes quality assessment eingeführt, das nicht
nur die Richtigkeit der Einzeldaten bewertet sondern ein besonderes
Gewicht
auf die klinische Richtigkeit der Auswertung und Interpretation legt.
Mit diesem quality assessment wird auch die Kenntnis der Fachkunde
in
Liquordiagnostik überprüft, bei der es letztlich darum geht,
krankheitsspezifische Immunglobulinmuster zu erkennen und vor allem
auch
eine laborinterne Plausibilitätskontrolle für die Richtigkeit
der Analytik zu machen. Dabei spielt der Labordatenbericht, der alle
Daten
eines Patienten zusammenfasst, eine wesentliche Rolle.
Bewertungskriterien
Erste Priorität für die Bewertung im RV haben die Liquor/Serum-Quotienten
der Immunglobuline und Albumin. Dies sind bei gleichzeitiger Analyse von
Liquor und Serum im selben analytischen Lauf methodenunabhängige
Werte, die die Qualität von Referenzmethoden-Werten erreicht.
Für die Gesamt-Bewertung in der Teilnahmebescheinigung des RV werden
Absolutwerte lediglich benützt, um zu charakterisieren, wo im Falle
eines Fehlers im Liquor/Serum-Quotienten des jeweiligen Proteins der
Fehler zuzuordnen
ist (Liquor oder Serum oder beide bei Verwendung verschiedener Methoden
in Liquor und Serum).
Als Teil des allgemeinen quality assessment werden die Liquor/Serum-Quotienten
für Albumin IgG-, IgA- oder IgM-Quotient anhand des Quotientenschemas
(Reiber-Diagramm) interpretiert und im RV angegeben.
Der Albuminquotient soll altersabhängig interpretiert werden.
Die im RV erfragte Interpretation als "entzündlicher Prozess"
oder "Blut-Liquor Schrankenfunktionsstörung" können
nur in den Fällen als richtig bezeichnet werden, in denen auch gleichzeitig
der entsprechende Liquor/Serum-Quotient innerhalb der zulässigen
Grenze für die Abweichung vom Zielwert liegt, d.h. es werden die
sogenannten "zufällig richtigen" Interpretationen als falsch
bewertet.
Richtlinien der Bundesärztekammer
Mit der Neufassung von RiLiBÄK wurde eine Anlage 1b eingeführt,
die die Überprüfung von Albumin, IgG, IgA, IgM in Liquor und
Serum und von Gesamteiweiß, Glucose und Lactat im Liquor regelt.
Im Hinblick auf die zu erwartende Novellierung, in der auch die Liquor/Serum-Quotienten
in RiLiBÄK, Anlage 1b, aufgenommen werden sollen, werden im INSTAND
Ringversuch sowohl die Absolutwerte in Liquor und Serum zertifiziert
(Z) als auch die Liquor/Serum-Quotienten
bewertet (R).
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Zielwerte
Die Zielwerte werden in 6 Labors durch zehnfach Interassay-Analytik gefunden
(3 Labors mit Dade Behring Analytik und 3 Labors mit Beckman Coulter Analytik).
Extreme Ausreißer in jeder Messreihe des einzelnen Sollwertlabors
werden eliminiert und aus den Mittelwerten aller Sollwertlabors wird der
Zielwert erstellt.
Die Zielwerte für die Behring- und die Beckman-Labors werden getrennt
bestimmt und soweit möglich zu einem gemeinsamen Zielwert zusammengeführt.
Die Zusammenführung ist nur selten, vor allem bei IgM und IgA Werten,
nicht möglich. In diesen Fällen werden die beiden Gruppen getrennt
bewertet.
Die Zielwerte für Gesamteiweiß sind methodenunabhängig.
Die Zuverlässigkeit des Zielwertes ist durch die Übereinstimmung
mit dem Konsenswert der Teilnehmer am Ringversuch überprüfbar.
Der Konsenswert wird errechnet indem alle Ausreißer (Werte > max.
Abweichung des Einzelwertes in Tab. 1) eliminiert werden und vom Rest
der Teilnehmer der Mittelwert errechnet wird.
Eine weitere Information zur Verteilung der Teilnehmerdaten bezüglich
des Zielwertes ist aus der numerisch dargestellten Gauß-Verteilung
für jeden Parameter ersichtlich.
Probenmaterial
Für die Bestimmung von Albumin, IgG, IgA, IgM werden Liquorpools
verwendet und stabilisiertes Serum, das von Dade Behring zur Verfügung
gestellt wird. Um ein interessantes Spektrum an Datenkombinationen zu
bekommen, wird gelegentlich die Liquorprobe gespiket oder das Serum etwas
verdünnt.
Die Proben für die Bestimmung von oligoklonalem IgG können per
Definition nicht gepoolt werden.
Die Proben für den Nachweis von erregerspezifischen Antikörpern
werden erstellt, indem die Serumprobe auf Liquorkonzentration verdünnt
wird (AI=1) und die Liquorprobe gegebenenfalls mit Liquores von extremer
Synthese eines spezifischen Antikörpers gemischt werden.
Oligoklonales IgG
Die Interpretation des Nachweises von oligoklonalem IgG wird auf der Teilnahmebescheinigung
nach den Kriterien des Internationalen Konsenses
(Andersson et al.) nach 5 Typen berichtet (richtige Interpretation, Interpretation
des Teilnehmers und Bewertung (f/r) des Ergebnisses).
Dem Teilnehmer werden mit der zugesandten Probe vorbestimmte Werte für
IgG im Liquor und im Serum vermittelt, um damit eine von zusätzlichen
analytischen Fehlern unabhängige Behandlung des Probenmaterials für
die isoelektrische Fokussierung zu ermöglichen.
Nachweis erregerspezifischer Antikörper
Die Bestimmung von Masern-, Röteln-, Zoster-, Herpes simplex-Antikörpern
in Liquor und Serum mit willkürlichen Konzentrationseinheiten wird
in einem spezifischen Quotienten errechnet, der auf einen vorgegebenen
Gesamt-IgG-Quotienten-bezogen den AI-Wert errechenbar macht. Der Teilnehmer
muss entscheiden, ob er im gegebenen Fall anhand der vorgegebenen IgG-
und Albuminquotienten eine Korrektur für die polyspezifische Immunreaktion
berechnen muss und den AI-Wert statt auf QIgG - auf QLim-bezogen
zu errechnen hat.
Das Ergebnis wird für jeden einzelnen AI-Wert als richtig oder falsch
interpretiert (Grenze ± 30% Abweichung vom Zielwert). Die Interpretation
wird nach 3 Kriterien vorgenommen
a) normal; b) intrathekale Antikörpersynthese; c) chronisch entzündlicher
Prozess (bei bestimmten Datenkombinationen).
Im Bericht für den Teilnehmer wird das richtige Interpretationsergebnis
und die Interpretation des Teilnehmers nebeneinander ohne weitere Bewertung
dargestellt.
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Methodische Konsequenzen aus dem Ringversuch
Mit der Analyse von oligoklonalen IgG als empfindliche qualitative Methode
wurde im Laufe der letzten 5 Jahre ganz deutliche eine Bewegung bezüglich
der verwendeten Analysenmethodik sichtbar - hin zu immer häufiger
verwendeten Immundetektionsverfahren nach isoelektrischer Fokussierung
(siehe Literatur zum internationalen Konsens). Die Verwendung von normaler
Agarose-Elektrophorese ist mehr oder weniger vollständig verschwunden
aufgrund der Einsicht in die nicht hinreichende Empfindlichkeit. Mit der
Erweiterung des Ringversuchs Liquor auf den Nachweis erregerspezifischer
Antikörper wurde deutlich, dass die Verwendung der Einpunkteichung
im Vergleich zum Bezug auf eine Standardkurve eine wesentlich geringere
Präzision hat und deshalb besonderer Sorgfalt bedarf (Liquor und
Serum werden möglichst im selben Konzentrationsbereich gemessen).
Derzeit nehmen ca. 320 deutsche Teilnehmer und 30 Teilnehmer aus dem
europäischen Ausland und ein Teilnehmer aus den USA an diesen Ringversuchen
teil.
Das Spektrum der von den RV-Teilnehmern analysierten Parameter im Liquor
ist zwischen einem Parameter (Gesamteiweiß) und 10 Parametern von
Labor zu Labor sehr stark schwankend. Es kann auch hier als Ziel der Ringversuche
gelten, deutlich zu machen, dass die alleinige Messung von Gesamteiweiß
im Liquor der Sorgfältigkeit gegenüber dem Patienten beim Umgang
mit dieser häufig nur einmal punktierten Flüssigkeit nicht entspricht.
Es sollte ein solides Grundprogramm für Liquor und Serum durchgeführt
werden.
Proteinanalytik auf Analysenautomaten
Es gibt immer wieder Probleme für die Proteinanalytik bei Automaten,
die für Liquor nicht empfindlich genug sind oder eine besondere Analysentechnik
verwenden.
Bei Problemen mit dem Ringversuch wird den Teilnehmern empfohlen, die
Richtigkeit ihrer Liquoranalytik dadurch zu überprüfen, dass
sie ein auf diesem Automaten bestimmtes Serum in Zweierschritten im Bereich
der Liquorkonzentration (Albumin 1:200, IgG u. IgA 1:500, IgM 1:1000)
analysieren und so die Verdünnungsechtheit überprüfen.
Dies ist ein generell zu empfehlendes Verfahren, um die Methodenunabhängigkeit
des Liquor/Serum-Quotienten der Proteine sicher zu stellen.
Trockenchemische Verfahren zur Bestimmung von Gesamteiweiß im Liquor
können ebenfalls mit diesem Verfahren auf ihre Richtigkeit überprüft
werden.
Grundsätzlich sollten sich die Teilnehmer nicht auf die Richtigkeitskontrolle
der Test-Anbieter ohne Überprüfung verlassen.
RV-Auswertung
Die sehr aufwendige Auswertung des Ringversuchs wird durch ein PC-Programm
von A. Wormek (http://www.wormek.de)
unterstützt. Dies basiert auf einer im Rahmen einer vom BMBF geförderten
Entwicklung von wissensbasierten Evaluationsprogrammen (Prof. Trendelenburg).
Diese Wissensbasis Ringversuch kann in einer speziellen Form (Beckman
Coulter und A. Wormek) auch für die Beurteilung von Patientenbefunden
verwendet werden. Dabei wird a) eine interne Plausibilitätskontrolle
der Daten durchgeführt, b) eine Referenzbereichs-bezogene Auswertung
gemacht und c) Hinweise auf Diagnose-relevante Datenkombinationen
gegeben.
RV-Ergebnisse
Die Ergebnisse der aktuellen und früheren Ringversuche sind auf der Website
von Instand zu finden:
www.instand-ev.de
Referenzen
Die Systematik des Ringversuchs und die Erfahrungen der ersten Jahre
wurden publiziert (Reiber H. External Quality Assessment in Clinical Neurochemistry:
Survey of Analysis for Cerebrospinal Fluid (CSF) Proteins Based on CSF/Serum
Quotients: Clin Chem 1995; 41:256-263). Das wissensbasierte Evaluationsprogramm
Pro.M.D. wurde ebenfalls veröffentlicht (Faber R, Trendelenburg Chr.
Interpretation of CSF quantities with the knowledge-based system Pro.M.D.
- Cerebrospinal Fluid Diagnostics. J Lab med 1997;21:257-282). Ein internationaler
Konsensus zur Qualitätskontrolle in der Proteinanalytik ist erschienen
(Reiber H, Thompson EJ, Grimsley G et al. Quality Assurance for Cerebrospinal
Fluid Protein Analysis: International Consensus by an Internet-Based Group
Discussion. Clin Chem Lab Med 2003;41:331-337) und auch zur Bestimmung des
oligoklonalen IgGs (Andersson M, Alvarez-Cermeño, Bernardi G et al.
Cerebrospinal fluid in the diagnosis of multiple sclerosis: a consensus
report. J Neurol Neurosurg Psychiat 1994;57:897-902).
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