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Bei klinischem Verdacht auf eine Enzephalitis
(Bewusstseinsstörung, Wesensänderung, Krampfanfälle und/oder
fokal-neurologische Ausfälle, evtl. Fieber) und fehlenden Kontraindikationen
ist eine Lumbalpunktion zur Liquordiagnostik indiziert.
Die Zellzahl kann bei der Enzephalitis normal sein, so dass eine normale
Zellzahl eine Enzephalitis nicht ausschließt.
In der Regel findet sich bei der diagnostischen Punktion eine überwiegend
lymphozytäres, bei sehr früher Punktion auch granulozytäre
Pleozytose von bis zu einigen 100 Zellen/µl, bei späteren Liquoruntersuchungen
können bei rückläufiger Zellzahl auch Plasmazellen nachweisbar
sein. Das Gesamteiweiß ist in der Regel leicht bis hochgradig erhöht,
entsprechende Veränderungen finden sich beim Albumin-Quotienten und
dem Quotientendiagramm. Glukose-Quotient und Laktat weisen in der Regel
normale oder leicht erhöhte Werte auf. Im weiteren Verlauf kann es
zu einer intrathekalen Synthese von Immunglobulin kommen. Entsprechend
können auch die Immunglobulin-Quotienten im Verlauf eine intrathekale
Synthese anzeigen.
Von diesen Erfahrungswerten abweichende Befunde sollten Anlass zu differenzialdiagnostischen Überlegungen
geben.
Die klinisch relevanteste Enzephalitis ist die Herpes-simplex-Enzephalitis.
Weitere virale Enzephalitis-Erreger sind Enteroviren und – besonders
in Endemiegebieten – die durch Flaviviren verursachte Frühsommer-Meningoenzephalitis.
Insgesamt sind mehr als 100 virale Erreger von Enzephalitiden bekannt;
hier sei auf die Fachliteratur verwiesen (z.B. Schmutzhardt). Auch nicht-virale
Erreger einer Enzephalitis sind bekannt, darunter Listerien, Toxoplasma
gondii und Helminthen. Der direkte Erregernachweis mittels Nukleinsäureamplifikationstechniken
wie der Polymerasekettenreaktion oder der indirekte Erregernachweis mittels
Antikörperindex ist besonders bei behandelbaren Enzephalitis-Erregern
wie der Herpes-simplex-Enzephalitis beim Immunkompetenten sowie CMV, VZV
und Toxoplasmose beim Immunsupprimierten unverzichtbar.
Bei der Herpes simplex-Enzephalitis kommt es in der Regel zu einer ausgeprägten
Störung der Blut-Liquor-Schranke und zu einer deutlichen Erhöhung
des Gesamteiweiß im Liquor. Gelegentlich finden sich im Rahmen der
hämorrhagischen Enzephalitis ein xanthochromer Liquor oder auch Erythrozyten
und Siderophagen. Die Sensitivität der PCR liegt zu Beginn der Erkrankung über
90%. Die Herpes simplex Enzephalitis wird beim Erwachsenen üblicherweise
durch das Herpes simplex-Virus Typ 1 hervorgerufen. In der Regel lässt
sich ab der 2. Krankheitswoche –gelegentlich auch später- die
intrathekale Antikörpersynthese mit einer Sensitivität nahe 100%
beim Immunkompetenten nachweisen und persistiert üblicherweise für
Monate bis Jahre. Eine Konsensus-Gruppe empfiehlt, die parallele Bestimmung
von AI und PCR, um die Sensitivität beim Erregernachweis zu erhöhen
(Cinque 1996.
Der direkte Erregernachweis nicht-viraler Erreger kann im Einzelfall mit
Hilfe mikrobiologischer Diagnostik gelingen.
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Literatur:
Cinque P, Cleator GM, Weber T, Monteyne P, Sindic CJ, van Loon AM. The
role of laboratory investigation in the diagnosis and management of patients
with suspected herpes simplex encephalizis: a consensus report. The EU
Concerted Action on Virus Meningitis and Encephalitis. J Neurol Neurosurg
Psych 1996;61:339-45.
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